Auf gute Nachbarschaft!

Haben Sie Nachbarn? Was für eine Frage. Jeder hat Nachbarn. Ich werde unruhig, fühle mich beim Lesen mit Kaffee und Kuchen gestört. "Du, der Nachbar schafft in unserem Garten." Ein Hoch auf die gute Nachbarschaft.

Gute Nachbarschaft braucht keine Zäune. Wir können zusammen auch mal einen Kaffee trinken. Wir teilen uns den Kuchen, bevor wir zu den Keksen greifen, auf die wir einander gehen können. Es braucht ein wenig Geduld und Gelassenheit, wenn der Nachbar in meinem Garten schafft, während ich faul im Liegestuhl liege. Wer gute Nachbarn hat, kann ruhig schlafen, auch mittags nach dem Essen. Gar nicht mag ich allerdings, wenn er sonntags schafft. Nachbarn hat jeder. Damit muss man klarkommen. Egal, wohin man zieht. Manche tun sich schwer damit. Am liebsten hätten sie keine Nachbarn, die über den Zaun schauen oder auch mal durch. Nachbarn, die laut sind oder einen kostenlos täglich ihre Lieblingssendung mithören lassen. Es geht auch noch schlimmer. Klagen wegen Pollenflug und Katzenhaaren. Hecke zu hoch, wohl zu klein gewachsen. Verleumdungen, Geschwätz und üble Nachrede. Schwierig haben es manche in Reihenhäusern, wo sich Nachbarn reihenweise kreuzweise begegnen, oder in Hochhäusern, wo sie übereinander untereinander reden. Gut, wenn man jetzt im Sommer gute Nachbarn hat, die einem die Grillparty nicht versauen und die Feuerwehr anrufen wegen kurzfristig langanhaltender Rauchbildung. Besser man sitzt zusammen und teilt sich die letzte schwarz gewordene Rote. Soll ja vorkommen.

Gute Nachbarschaft braucht keine Zäune. Leicht gesagt, manchmal sind Zäune dennoch nötig, wegen irgendwelcher sonderbaren Tierhaltung oder dem Wunsch, auch mal ohne Nachbarn zu leben und lieben.
Mich stört aber die ständige Diskussion um neue Zäune. Einzäunen, abgrenzen und kontrollieren. Zusammenleben ist angesagt. Wir haben Nachbarn nicht nur nebenan, sondern auch global gesehen. Gute Nachbarn sind ein Geschenk Gottes. Wohl dem, der gute Nachbarn hat. Nicht schlechter ist der Satz: Wohl dem, dem ich ein guter Nachbar bin. Wohl mir, wenn ich ein Geschenk Gottes bin.

Ihr Pfarrer Bernd Küster