Da hilft nur noch beten

Predigt zum Sonntag 17.5.

Liebe Gemeinde,

Da hilft nur noch beten, sagen heute manche zur heutigen Situation.

Wir hören heute den Predigttext aus dem Matthäusevangelium.Jesus lehrte seine Jünger beten und gab ihnen das Vaterunser.

Matthäus 6, 5-15:
5 Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.
7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.11  Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Die Jünger und Jüngerinnen und wir nach ihnen haben die Worte Jesu ganz gut gelernt und verinnerlicht. Wann sieht man schon jemanden an einer Straßenecke laut beten. Wie oft höre ich, um gläubig zu sein, muss ich nicht in die Kirche. Verborgene Christen. Nicht einmal die engsten Verwandten wissen etwas über ihren Glauben, so sehr zurückgezogen leben sie ihren Glauben im stillen Kämmerlein, in ihrem Herzen.
Sie plappern nicht viel darüber. Niemand sieht was vom Glauben. Glauben ist schon lange Privatsache geworden.

Ob es das ist, was Jesus sagen wollte? Ich weiß nicht?
Wie und was sollen wir beten fragen die Jünger, lehre uns beten, richtig beten.
Viele Worte müsst ihr beim Beten nicht machen, sagte Jesus.
Euer Vater, Gott, weiß, was ihr bedürft.

Kann man falsch beten? Man kann. Dürfen wir nicht alles beten? Wer nur für sich betet und der Erfüllung seiner eigenen Wünsche liegt bei Gott falsch. Wir erinnerten uns an 75 Jahre Kriegsende. Auf allen Seiten der Front wurde gebetet: Gott sei mit uns und schenke uns den Sieg des Vaterlandes. Es wäre durchaus besser gewesen die Christen hätten die Waffen zur Seite gelegt und gemeinsam gebetet: Vater unser aller. Die ganze Welt ist Vaterland. Dein Wille geschehe. Gottes Wille ist Frieden. Nächsten- und Feindesliebe.
Wie viele werden für sich gebetet haben: Lass mich nach Hause heil kommen. Und was ist mit den anderen? Gemeinsam beten auch über Grenzen macht Sinn, stiftet Frieden.
So sehe ich das Vaterunser. Es wird heute am Sonntag auf der ganzen Welt gebetet, auch in China oder Nordkorea, im Iran, überall wo Christen sind.
Das Vaterunser ist ein Friedensgebet, durch und durch.

Das Wort Vater stört manche. Maskulin, männlich erscheint Gott. Warum nicht Mutter? Warum überhaupt dieser Begriff Vater? In der Tat wurde damit Missbrauch betrieben. Priester haben sich als liebe Väter ausgegeben und sich in die Herzen von Kindern geschlichen. Männer haben damit ihre Herrschaft nicht nur in der Kirche zementiert. Könige nannten sich Väter, Landesväter und Kirchenväter. Das Vaterland spielte vor allen bei Kriegen eine Rolle. Das Mutterland verbindet man mit anderen Dingen, Sprache zum Beispiel, Muttersprache.

Warum nennt Jesus Gott Vater? Etwas einfach: Weil er Gottes Sohn ist. Das trifft es nicht ganz, denn wir dürfen, sollen Gott auch als Vater anrufen. Jesus hatte Joseph als leiblichen Vater, wenn der auch irgendwie in der Bibel verschwand. Er wurde offenbar nicht mehr gebraucht wie Maria. Nicht wenige Kinder wachsen ohne Vater auf. Vielleicht fand er auch keinen Zugang zu Jesus, wie so oft Väter sich schwerer tun, wenn Kinder etwas religiös abdriften. Sie haben andere Pläne. Denken wir nur an Martin Luther. Der Vater wollte einen erfolgreichen Juristen, Mönch ist er geworden. Es war Gottes Wille.

Warum nannte Jesus Gott Vater, wenn er doch schon einen hatte? Er suchte ein Wort für seine innige Beziehung zu Gott. Gott Mutter zu nennen war in diesem Umfeld nicht möglich. Väter bestimmten das Leben. Mütter organisierten es. Aber der Wille der Väter war entscheidend. Eine Achtung vor der Mutter war dennoch gegeben, denken wir nur an das 4.Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren!

Eine andere Spur. Jesus sah sich als Sohn Gottes, des Schöpfers. Der Schöpfer hat alles geschaffen. Er hat die Menschen nicht unter Schmerzen geboren, sondern erschaffen, sagt die Bibel. Damit ist Gott nicht an die Natur gebunden, ihr nicht unterworfen wie eine gebärende Frau. Das Reich Gottes, so sagte es ein Philosoph, ist nicht das Reich der Natur, sondern des Willens. Sein Wille geschehe.
Das sagt nicht, dass Gott männlich ist, wie soft auf Gottesbildern. Wer das sagt, grenzt Gott ein. Gott unterliegt nicht unseren Einteilungen. Gott kann sein wie eine Mutter, lesen wir in der Bibel. Unsere Mütter sind uns oft näher als unsere Väter. Sie haben uns geboren und behütet. Wie oft lassen Väter ihre Kinder im Stich?

Jesus sieht einen liebenden Vater, wie er ihn im Gleichnis vom verlorenen Sohn darstellt. Er vergibt alle Schuld. Der große Maler Rembrandt hat deswegen ganz bewusst den Vater mit einer Männer- und Frauenhand gezeichnet.

So ist Gott unser Vater. Das Vaterunser schließt uns als seine Kinder zusammen. Bei ihm finden wir, was wir brauchen. Er gibt uns, was für das Leben notwendig ist. Nach seinem Willen sollen wir leben.
Sogar der Anthroposoph Rudolf Steiner hat zum Vaterunser geschrieben und stellt seine Lehre mit dem Vaterunser dar.

Das Vaterunser - das Friedensgebet.

Unser Vater im Himmel. Er steht über alle Väter und Mächtige und schließt alle zusammen.

Dein Name werde geheiligt. Es gibt gar keinen Namen Gottes. Er ist unaussprechlich. Es gibt Bezeichnungen wie Vater, Hirte, Burg, Schutz, auch Mutter. Gottes Namen darf nicht genannt werden. Er ist heilig. Menschen haben keine Macht über Gott und können ihm keinen Namen geben, wie Tieren, Pflanzen und Dingen.

Dein Reich komme. Wir haben genug von irgendwelchen Reichen, dem dritten etwa und wünschen uns keine weiteren, außer einem Reich des Friedens. Weil ich mit dem Unrecht dieser Welt nicht zufrieden bin, bete ich: Dein Reich komme.  

Dein Wille geschehe. Nicht mein Wille geschehe. Das sagte Jesus selbst in seiner dunkelsten Stunde. Dein Wille geschehe.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Wir haben genug Brot. Anderen fehlt es. Uns meint alle. Gerechtigkeit für alle. Genügend Lebensmittel und Grundlagen für alle. Das ist Gottes Wille.

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Das ist für viele eine ganz wichtige Bitte. Mit Schuld leben, lässt Lebensfreude im Dunkel versinken. Schuld zermürbt. In der Verkündigung Jesu war das ein ganz wichtiges Anliegen. Gott vergibt eure Schuld und nun vergebt euch untereinander. Er ist der Sohn des Versöhners. Er stiftet Frieden.

Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Wir geraten so leicht in Versuchung. Da kann sich jeder prüfen. Die Versuchung der Macht. Andere mobben. Billig einkaufen, ohne an das Schicksal der Arbeitenden denken zu wollen. Das Böse entsteht ganz leicht, so ist es da.
Wir haben Kraft, dem zu widerstehen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Dem geben wir Raum, wenn wir beten, Vater unser, dein Wille geschehe.

Ich bin mir sicher, wenn alle Christen danach handeln und darum beten, dann sind Hungersnöte zu besiegen, Pandemien einzudämmen, Klimakatastrophen abzuwenden und Kriege zu befrieden.
Denn das ist Gottes Wille wie ich ihn erkenne aus dem Handeln Jesu, der zu Gott ein inniges Verhältnis hatte.
Ich vermute, dass Frieden wird ist auch unser Wille. Gemeinsam Beten und gemeinsam Handeln. Das Vaterunser, ein Gebet auf dem Weg zum Frieden.
Amen. 
 

Wochenspruch

"Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet." (Ps 66,20)
 

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