Dankbare Abschiedsgedanken

von Pfarrer i.R. Bernd Küster

Liebe Gemeinde,

über sieben Jahre war ich nun hier. Es war eine gute Zeit für mich als Pfarrer an der Auferstehungskirche. Meine Frau und ich danken allen, die uns in dieser Zeit begleitet haben. Wir haben uns von Anfang an wohl und angenommen gefühlt.

Am Ende meines aktiven Pfarrdienstes in Wendlingen (Vikar), Marktlustenau (11 Jahre), Kirchheim u.T. (17 Jahre) und hier danke ich allen Gemeindegliedern, die mich unterstützt haben. Ich erfuhr offene Türen bei Besuchen. Das Arbeiten in der Siedlung erlebte ich als Geschenk. Auf der Straße wird gegrüßt. Es kommt zu netten Gesprächen. Ich habe mich über alle Täuflinge und Konfirmand*innen gefreut. Trauernde durfte ich begleiten und ihnen Gottes Beistand zusagen, Liebende segnen.

Ein großes Dankeschön an alle Mitarbeitenden. Dankbar schaue ich zurück, wie alle Gruppen und Kreise mit Engagement selbstständig geleitet wurden. Ich konnte mich den Kernaufgaben im Pfarramt widmen.
Besonderen Dank an Sieglinde Noetzel-Diwiki. Sie ist seit 10 Jahren mehr als eine Sekretärin. Sie ist die erste, die im Gemeindebüro Gemeindeglieder empfängt, sich ihre Anliegen anhört und hilft. Ohne sie wäre ich im Dschungel des wachsenden Arbeitsdickichts untergegangen. Dank an Regina Nawratil, die mit viel Herz den Kirchenraum mit Blumen schmückt und für Ordnung sorgt.

Ganz besonders empfand ich die Unterstützung durch Ehrenamtliche. Als es am Anfang noch 37 Konfirmand*innen gab und ich einen kleinen Schreck bekam, hörte ich: „Wir helfen.“ So entstand ein Konfimitarbeiterteam. Das war stark. Der Pfarrer wird hier in seiner Arbeit nicht allein gelassen. In der Schule fühlte ich mich wohl.

Erntedankfest wird in diesen Tagen gefeiert. Wir danken Gott für seine Schöpfung und haben Anteil an der Zerstörung derselben. Das sind Widersprüche, die mich umtreiben. Ich habe mich gefreut, dass in unserer Gemeinde heikle und politische Themen nicht zur Seite geschoben wurden. Wir haben das Siegel der fairen Gemeinde.

Viele Mitarbeitende haben sich bemüht, fair einzukaufen und zu handeln. Als die erste Gruppe von Asylsuchenden ins ehemalige IB-Haus kam, spürte ich eine große Offenheit und viel Engagement für die Geflüchteten.

Das zu erfahren tat gut, vor allem, wenn man selbst ein Flüchtlingskind ist, Not und Ablehnung erfahren hat. Die Arbeit liegt in vielen guten Händen. Die Zuwendungen der Gemeinde zu Menschen in anderen Ländern, wie Nigeria und Tansania, waren großherzig. Nicht nur offene Herzen, auch offene Geldbeutel für dringende Hilfen gibt es.

Stark war der Beitritt zu den Regenbogengemeinden als Signal für die Offenheit gegenüber der Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Der Botschaft der Bibel liegt die Liebe Gottes zugrunde. Aus ihr heraus und wegen ihr sind klare Worte zu sagen, die anecken können.

Unsere Zeit empfinden viele als eine gute Zeit, aber sie hat bedrohliche Seiten wie Nationalismus und Klimawandel. Mein Anliegen war es, beides zu vermitteln, das Vertrauen in Gott nicht zu verlieren und die Kritik an falscher Politik und ungerechtem Wirtschaften zu üben. Die Corona Pandemie hat uns Grenzen und Gefahren gezeigt, die schmerzliche Einschnitte bringen.

Gut waren die thematischen Gespräche im kreAKtiv-Team. Das Willkommen im Goldenen Herbst und den anderen Kreisen. Dank an alle jugendlichen Mitarbeitenden und den Leitenden für die positive Zusammenarbeit in der Jugendarbeit. Mit Carolin Lutz geht es gut weiter. Bitte verzeiht, dass ich nicht alle und alles aufzähle.

Es gab in diesen wenigen Jahren personelle Veränderungen. Drei KGRs habe ich erlebt. Ganz herzlichen Dank an die ehrenamtlichen Vorsitzenden Herren Kempt, Fehrle und Lawan. Dank allen KGR-Mitgliedern, die mir alle hilfreiche Wegbegleiter*innen waren.

Danken möchte ich Martin Otter samt Kirchenchor und Instrumentalkreis für ihre musikalische Gestaltung der Gottesdienste. Spannend fand ich Kunst in der Kirche. Toll, dass in der Kirche Bilder aufgehängt wurden. Sie verändern den Raum in guter Weise.

Das gute Miteinander mit Pfarrer Zwissler, den Pfarrerinnen Denneler, Heller und Bartel im Nordraum und darüber hinaus. Die Dekane Mohr und Keinath ließen viel Freiraum. Vom DLZ erfuhr ich viel Unterstützung.
Eine Ökumene gibt es, aber ich war anderes gewöhnt, etwa gemeinsames Abendmahl.  Wichtig bleibt das Ökumenische Beten für Frieden und das persönliche Miteinander. Allen Ungenannten, die mich hilfreich begleitet haben, besten Dank.

Was mir bewusst ist, ich konnte nicht alle Erwartungen von Mitarbeitenden und Gemeindegliedern erfüllen. Es gab Versäumnisse. Es wurde ein Besuch erwartet. Warum kommt niemand von der Kirche vorbei? Enttäuschungen, weil der Pfarrer nicht auf meine Ideen eingeht. Warum gibt es keine Angebote für …? Die vielen Austritte. Manches Päckchen ist als Pfarrer und Seelsorger zu tragen. Ich bitte alle um Verzeihung, die sich von mir als Pfarrer vernachlässigt oder unbeachtet fühlten, oder gar enttäuscht wurden.

Danke für positive Rückmeldungen. Sie haben mich gestärkt. Danke für alle hilfreiche Kritik. Was wir noch toll fanden, den Kindergarten neben dran. Die Kinderstimmen werden uns fehlen. Die strahlenden Kinder, die oft riefen: „Hallo Herr Pfarrer.“ Einmal sagte ich: „Was, bei so einem Regen seid ihr draußen?“ Ein schaukelnder Junge darauf: „Wir lassen uns eben vom Regen nicht treffen.“ Es gab auch in Gottesdiensten und anderswo manches zum Lachen und Schmunzeln.

Der Abschied fällt uns schwer. Wie wird das werden ohne die vielen Kontakte? Werde ich die vollen Heiligabendgottesdienste nicht vermissen? Die tiefen Gespräche in besonderen Lebenssituationen. Das Haus und seine gute Lage. Die Kirche.

Der Gemeinde wünschen wir viel gutes Gelingen mit Gottes Hilfe bei allen Vorhaben und einen guten Start mit dem neuen Pfarrer Mauser. Wir vertrauen darauf, Sie nehmen ihn und seine Familie auf wie Sie uns aufgenommen haben.

Bleiben Sie alle wohlbehalten umfangen von Gottes Segen, den ich in vielfältiger Weiseempfangen habe. Gott sei gedankt für die guten Jahre.

Ihr Pfarrer Bernd Küster

Noch was: Aus dem Küchenfenster der neuen Wohnung sehe ich den Turm der AK.