Denk mal

Predigt zum Sonntag 13.9.

Liebe Gemeinde!
Ganz oft war dieser Sonntag heute, der letzte Sonntag der Sommerferien, hier in Reutlingen und Umgebung der Tag des Denkmals. Dieses Jahr weiß ich es nicht genau, aber dieses Jahr ist sowieso alles anders. Mit meinen Konfirmand*innen mache ich jedes Jahr zu Beginn des Unterrichtes einen Gang in die KK und dann bekommt jeder und jede einen kleinen Hosentaschenzettel mit folgenden Fragen:

Die Kirche ist ein Denkmal
Sie lädt uns ein, über vieles nachzudenken:
Denk mal, wer du bist.
Denk mal, für was du lebst.
Denk mal, zu wem du gehörst.
Denk mal, wem du danken könntest.
Denk mal, wer dein Gott ist.

Ich weiß gar nicht, ob jeder und jede unter uns so schnell Antworten finden würde auf diese Fragen, ehrliche Antworten. Vielleicht verändern sich die Antworten auch im Laufe des Lebens. Sie verändern sich mit den Menschen, denen ich begegne, mit den Situationen, in die ich im Laufe meines Lebens immer wieder regelrecht „geschmissen“ werde. Es sind Fragen, die sich lohnen, immer wieder angeschaut, bedacht und bei jeder Veränderung im Leben neu überprüft zu werden.

Bevor ich noch auf die Geschichte eingehen möchte, die der heutige Predigttext ist, will ich zweien dieser Gedanken zum „Denkmal“ noch ein bisschen mit Ihnen zusammen nachdenken.

Denk mal, der du bist.
Worüber definiere ich mich? Über mein Aussehen, meine Fähigkeiten, mein Einkommen, meinen Besitz? Gelingt es mir, mich unabhängig der Meinung, die andere über mich haben, mich einfach als einen wertvollen Menschen zu sehen? Angesehen und erkannt allein von Gott? Für Wert geachtet allein durch mein Menschsein? Mein in die Welt gestellt sein, um allein durch mein Dasein meine Umgebung zu bereichern durch ein Lächeln, ein tröstendes Wort, eine helfende Hand?
Denk mal, für was du lebst.
Das steht in ganz enger Verbindung zu den gerade geäußerten Gedanken!

Denk mal, zu wem du gehörst.
Es sind Beziehungen und Begegnungen, die mein Leben bestimmen. Ich lebe nicht alleine auf der Welt, bin immer in Beziehung zu anderen Menschen. Diese Begegnungen, diese Beziehungen verändern mein Leben. Wie weit ich mich von Beziehungen bestimmen lasse, wie weit ich mich auf Beziehungen einlasse, das, so finde ich, sollte immer mit der Frage verbunden sein, zu wem ich gehöre. Ich gehöre zu meinen Kindern, zu meinem Partner, ich bin verbunden mit vielen Menschen in gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung. Aber ich gehöre eben zu allererst auch mir selbst. Es hat niemand das Recht, über mich zu bestimmen. Oder gar mich manipulieren zu wollen. Ich stehe in ganz enger Verbindung zu Gott, denn durch seinen Atem wurde ich ins Leben gerufen. Und für dieses von Gott geschenkte Leben trage ich Verantwortung. Diesem Geschenk möchte ich gerecht werden und es für Wert achten!

Und nun noch zum Predigttext, in dem es um einen Menschen geht, der wohl nicht wirklich weiß, zu wem er gehört, der nicht weiß, für was er lebt, der sich aber danach sehnt, gesehen zu werden.
 
Die Geschichte von Jesus geht so: Als Jesus schon ziemlich bekannt geworden war, geschah es einmal, dass er in eine Stadt kam, Jericho. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht verbreitet. Die Menschen waren aus ihren Häusern gekommen, um Jesus zu sehen. Unter den Menschen war auch einer, der war ziemlich klein. Zachäus, ein Zöllner. Ziemlich unbeliebt, weil man ihm nachsagte, er haue die Menschen beim Zolleinnehmen übers Ohr. Es wird wohl auch so gewesen sein. Vielleicht konnte er allein von seinem Gehalt nicht leben. Wie auch immer. Auch er wollte unbedingt Jesus sehen. Weil er so klein war, kletterte er auf einen Baum. Jesus kam also in die Stadt. Und ausgerechnet unter diesem Baum blieb er stehen. Er schaute nach oben, sah den Zolleinnehmer und rief ihn herunter: Zachäus, komm runter, ich will mich bei dir zum Essen einladen. Man kann vermutlich kaum so schnell gucken, wie der kleine Mann unten war. Danach sind sie zu ihm gegangen.
 
„Steig herunter, Zachäus. Ich will in dein Haus kommen.“ Zachäus ist entdeckt. Erspäht zwischen den Blättern des Baumes. Hat er das wirklich gewollt? Oder wollte er nur gucken, mal schauen, was das für einer ist, dieser Jesus? Und nun das. „Steig herunter, Zachäus. Ich will in dein Haus kommen.“ Jesus will ihm tatsächlich begegnen. Er lässt sich nicht abschrecken von dem, was alle über Zachäus reden. Er will sehen, was hinter der Fassade dieses Menschen steckt.

Die Begegnung mit Jesus, das echte Interesse, das Jesus an Zachäus zeigt, fordert Zachäus heraus, sich genau unseren Anfangsfragen zu stellen:
Denk mal, wer du bist.
Denk mal, für was du lebst.
Denk mal, zu wem du gehörst.
Denk mal, wem du danken könntest.
Denk mal, wer dein Gott ist.

Die Begegnung mit Jesus hat Zachäus geholfen, auf seine seelischen Verkrümmungen zu schauen. Mit seiner Hilfe, konnte er sich diesen Verkrümmungen stellen und wieder neu und anders in die Welt gehen. Sein Leben wirklich verändern.

Woran liegt das? Ich glaube, es liegt zuerst daran, dass in Jesus Gott als liebender Vater und liebende Mutter lebendig wird. Jesus nimmt Zachäus, er nimmt den Menschen die Angst vor Gott. Gott hat ein Interesse am Leben der Menschen, nicht an ihrer Vernichtung. Gott möchte die Freiheit seiner Kinder. Das schließt auch schmerzliche Erfahrungen ein. Jesus lässt die Menschen genau auf ihr Leben schauen. Er lässt sie blicken auch auf das, was aus der Spur geraten ist – auf die Schattenseiten und in die Schmuddelecken des Herzens. Jesus glaubt daran, dass Veränderung möglich ist. Er sagt nicht: Du hast keine Chance, sondern: Komm her, ich will dir helfen, dass dir dein Leben leichter wird.
 
Schau, woran du dein Herz hängst. Schau, worauf du dein Leben gründest. Was fürchtest du zu verlieren?

Denk mal, wer du bist.
Denk mal, für was du lebst.
Denk mal, zu wem du gehörst.
Denk mal, wem du danken könntest.
Denk mal, wer dein Gott ist.

Um am Schluss gemeinsam zu rufen:
„Kommt, atmet auf, ihr sollt leben! Ihr müsst nicht mehr verzweifeln, nicht länger mutlos sein. Gott hat uns seinen Sohn gegeben. Mit ihm kehrt neues Leben bei uns ein!“

Pfarrerin Ursula Heller
 

Wochenspruch

 "Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat." (Psalm 103,2)
 

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Livestreaming-Gottesdienst aus der Auferstehungskirche am nächsten Sonntag (20.9.) um 10 Uhr