Die Hochzeit zu Kana

Predigt zum 25. April 2021 von Pfarrer Patrick Mauser

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

horchen Sie mal an den Freitagen und Samstagen, jetzt wo es wärmer wird und der Mai naht. Etwas fehlt. Autokorsos, wildes Hupen und die hoch dekorierten Brautpaare, die aus dem Standesamt oder der Kirche laufen. Irgendwie schmerzt es mich, dies momentan nicht zu hören. Schade – ich denken an wunderbare Hochzeiten der letzten Jahre zurück – und da fällt mir diese Geschichte ein: die Hochzeit zu Kana. Ich liebe diese Geschichte. Sie gibt es nur im Johannesevangelium, viele wundern sich über sie, aber sie ist so wunderbar menschlich. Ich habe diese Geschichte in eine Erzählung für Sie umgeformt. Ich hoffe, es gefällt und es erfrischt Sie und bringt Ihnen schöne Erinnerungen an Hochzeiten!

„Benjamin, Benjamin“, komm mal schnell her, rief Daniel. „Was ist denn los? Ich soll schnell mit einem weiteren Becher Wein zum Brautvater kommen, der wartet schon länger, sagt der Chef“.
„Es geht doch genau DARUM! Es gibt bald keinen Wein mehr, vielleicht noch zwei Karaffen! Was sollen wir denn jetzt tun? Das wird eine Katastrophe für das Brautpaar! Das ganze Dorf wird das nie vergessen – die können sich doch nirgends mehr blicken lassen…“.

Benjamin und Daniel liefen aus dem Vorratsschuppen, die große Festgesellschaft war an langen Holztischen versammelt und sprachen, sangen, gellten und tanzten fröhlich um das frisch gebackene Brautpaar. Es roch nach frischem Brot und köstliches Fleisch mit Kräutern zischte über den Feuerstellen.

Die beiden schnappten sich alle anderen Diener, die sie finden konnten – sie fühlten sich mitverantwortlich, der Bräutigam war doch ein Freund von Ihnen.

Am Ende einer der Tafeln saß Maria aus Nazareth. Sie bemerkte das Getümmel der Diener. Sie schaute zu ihrem Sohn herüber, Jesus, der mit seinen Jüngern auch eingeladen war – sie blickte fast wehmütig zu ihm – immer wieder hatte er es ihr gesagt, dass bald seine Stunde schlagen würde, da er losziehen würde, was das genau heißen mochte, das wollte sie sich nicht ausmalen – welche Mutter hört das schon gerne…Jesus schaute lachend dem Brautvater zu, wie er mit seiner Tochter und anderen Gästen einen Tanz im Kreis aufführte und dabei hin- und her gezerrt wurde. Noch sitzt er da neben mir, denkt sie…aber Maria beschloss dem Tumult der Diener nachzugehen – nicht, dass sich die irgendwo absetzen und alleine den Wein verkosten…

„Was ist denn bei euch hier los? Wieso schenkt Ihr denn keinen Wein aus? Das Fest ist in vollem Gange?“ fragte Maria als sie um die Ecke des Schuppens bog, da erschraken gerade alle Diener und drehten sich ertappt um. Daniel sagte als erster etwas: „Wir können keinen Wein mehr ausschenken, er ist ausgegangen!“. Maria verstand sofort, was das heißen würde – sie machte auf dem Absatz kehrt und schob sich zu Jesus auf die Bank und ging nahe an das Ohr Ihres Sohnes, sodass keiner hörte, was sie sagen wollte: „Sie haben keinen Wein mehr! Hilf Ihnen doch, ich weiß am allerbesten, welche Kraft dir gegeben ist!“.

Da antwortete Jesus: „Ist es deine Sache, liebe Mutter, mir zu sagen, was ich zu tun habe? Meine Zeit ist noch nicht gekommen.“

Maria hatte fast schon damit gerechnet, aber eine Mutter kennt eben ihr Kind. Sie winkte Daniel zu sich und behielt eine Hand auf der Schulter ihres Sohnes…der schaute seine Mutter an und wusste, was jetzt kommen würde. Jesus seufzte…er kannte nun mal seine Mutter.

Maria sagte zu Daniel: „Tut, was immer er euch befiehlt“. Daniel schaute Jesus erwartungsvoll an. Mit einem zweiten Seufzer zeigte Jesus auf sechs große steinerne Krüge, die an der Schuppenwand lehnten und sagte: „Füllt die ganzen Krüge mit Wasser! Und dann tut etwas davon in ein Gefäß und bringt es dem, der für das Festessen verantwortlich ist.“

Daniel ging zügig zu seinen Kollegen: „Wir sollen die Krüge mit Wasser füllen und dann dem Chef etwas zum Probieren geben“. „Was soll den das, bitte?“ antwortete Benjamin aufgeregt. „Uns geht der WEIN aus – was sollen wir denn den Leuten jetzt bitte WASSER anbieten??? So ein Unsinn!“, sagte Benjamin. Daniel kaute auf der Unterlippe… „Kennt ihr den Sohn von Maria, Jesus? Er hat mir gesagt, dass wir das tun sollen – haltet mich jetzt bitte nicht für verrückt, aber er ist kein gewöhnlicher Mensch, das ist ganz klar. Ich habe sofort gespürt, dass er genau weiß, was zu tun ist, ich vertraue ihm – als hätte er mir etwas direkt in die Seele gesprochen. Auf geht’s, Männer – wir machen’s – keiner von uns bekommt nun irgendwo auf die Schnelle Wein her – geht zum Brunnen und füllt die Krüge!

Wenige Minuten später geht Daniel vorsichtig mit einem Becher zu seinem Chef, wie bei jeder Amphore Wein, die sie aufmachen, damit der Chef prüfen kann, ob er in Ordnung ist…er sah den Boden im Becher…eindeutig Wasser…“Ohje…dachte er noch kurz bei sich“. Der Chef nahm den Becher, trank einen Schluck. Sah Daniel ungläubig an…trank noch einen Schluck…und leerte schließlich genussvoll den Becher. Sofort schnappte sich der Chef des Festessens den Bräutigam und sagte: Jeder andere bietet seinen Gästen zuerst den besseren Wein an, und wenn sie dann reichlich getrunken haben, den weniger guten. Du aber hast den besseren Wein bis zum Schluss zurückbehalten!“

Daniel hörte das, schnappte sich den Becher und schaute hinein…ein kleiner Rest, einer roten Flüssigkeit schwappte am Becherboden hin- und her. Daniel musste laut lachen und schaute zu Jesus und Maria hinüber – beide lächelten zurück und Maria hob, wie als Zeichen ihren Becher…“Hahaha! Ein Wunder! Ich wusste es…Was für ein Mann ist dieser Jesus“, sagte Daniel vor sich hin…dann rannte er zu den anderen Dienern: „Los Männer, füllt die Karaffen, hier wird heute das Leben gefeiert, dass uns Gott geschenkt hat! Lasst uns den durstigen Leuten endlich Wein nachschenken!“ Und so schwärmten Sie aus…und so füllte sich schließlich auch der Becher des Brautvaters wieder…nicht zum letzten Mal an diesem Tag!

Pfarrer Patrick Mauser
 

 

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