Die Predigt einer Rose

Die Rose ist meine Lieblingsblume. Sie blüht auch in meinem Geburtsmonat Juni. Wir haben jetzt zwar schon Juli, aber einige späte Rosen sehen wir doch immer noch und manche blühen ja auch nochmal, oft bis in den Herbst!

Wir Menschen können Rosen gleichen. So wie Rosen in ganz unterschiedlichen Farben, in rot, weiß, gelb oder orange blühen, so blüht jedes Menschenleben in seiner ganz eigenen Farbe. Wie die leuchtenden Farben einer Rose unser Herz erfreuen und das Leben bunter und fröhlicher machen, so kann ein Mensch für andere leuchten und Freude und Liebe in mein Leben bringen. Wie die Blütenblätter einer Rose sich langsam öffnen, wenn sie Wasser, Sonne und Wärme bekommen, so kann sich auch mein Leben entfalten, wenn ich anderen Liebe gebe und selbst geliebt werde. Wir Menschen können Rosen gleichen. Wie der Duft, der von einer Rose ausgeht und ihre Umgebung mit einhüllt, so kann ein Mensch von sich geben, anderen etwas von sich schenken - Liebe und Zuwendung, Aufmerksamkeit und Hilfe.

"Die Ros ist ohn Warum: sie blühet, weil sie blühet, sie acht nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet." So drückt es Angelus Silesius in einem Gedicht aus. So fordert eine Rose auf, aus dem ewigen um sich selbst Kreisen auszusteigen, um sich selbst und andere wieder neu wahrzunehmen.
Mein Leben, so wie ich mit anderen Menschen umgehe, kann sein wie eine Rose. Wie eine Rose ihren Duft verströmt, ihn nicht für sich behält, sondern freigibt, so kann auch ich Liebe an andere weitergeben. Und diese Liebe ist etwas Göttliches.

Eine Rose zu verschenken kann heißen: Ich freue mich, dass es dich gibt. Ich nehme dich wahr, so wie du bist, mit all deinen hellen und dunklen Seiten. Wann haben Sie das letzte Mal eine Rose verschenkt?

Pfarrerin Ursula Heller