Engel

Predigt zum 20. Dezember 2020 von Pfarrer Patrick Mauser

Gott kündigt Abraham und Sara einen Sohn an
Abraham wohnte bei den Eichen von Mamre. Dort erschien ihm der Herr.

Abraham saß gerade in der Mittagshitze am Eingang seines Zeltes. Als er aufblickte, sah er wenige Schritte vor sich drei Männer stehen. Sofort sprang er auf, warf sich vor ihnen nieder.

Nach dem Mahl fragten die Männer Abraham: »Wo ist deine Frau Sara?« »Drinnen im Zelt«, antwortete er. Da sagte der Herr: »Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau einen Sohn haben. «Sara stand im Rücken Abrahams am Zelteingang und horchte. Die beiden waren damals schon alt, und Sara war schon lange über die Wechseljahre hinaus.

Sie lachte in sich hinein und dachte: »Jetzt, wo ich alt und verwelkt bin, soll ich noch ein Kind empfangen? Und mein Mann ist auch viel zu alt!«

Da sagte der Herr zu Abraham: »Warum hat Sara gelacht? Warum zweifelt sie daran, dass sie noch ein Kind gebären wird? Ist für den Herrn irgendetwas unmöglich? Nächstes Jahr um die verabredete Zeit komme ich wieder, dann hat Sara einen Sohn.«

»Ich habe doch nicht gelacht«, leugnete Sara. Sie hatte Angst bekommen. Aber der Herr sagte: »Doch, du hast gelacht!«.

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Liebe Gemeinde,

hier haben wir eine schier unglaubliche Geschichte gehört. „Kaum zu glauben, oder?“ Da sollen die beiden schon in hohem Lebensalter noch Kind bekommen!? „Unglaublich!“. Gott persönlich erscheint Abraham in seinen Boten!

Ich habe mich immer gefragt, warum Gott denn Abraham und Sara ausgesucht hatte für dieses Wunder!?

Die Antwort ist für mich eine sehr weihnachtliche: „Liebe Welt, was? Du kannst das nicht glauben? Doch – „ich, der Gott Abrahams, drehe gerne die Verhältnisse um. Du glaubst die beiden Alten Leute da wären zwar fromm und gottesfürchtig, sonst aber nichts mehr wert? Von wegen…bei Gott sind alle Dinge möglich.“

Wie an Weihnachten ist es möglich, dass der Friedefürst und Erlöser der Welt in einer armen Krippe zur Welt kommt…Ja, sogar Sara lacht…sie kann es nicht glauben…so kann es vielleicht sein, wenn man Gott oder seine Boten hört…so ging es vielleicht auch dieser Frau…Maria…sie bekommt eine unglaublich Nachricht…obwohl sie doch mit keinem Mann zusammen war…wurde ihr eine Geburt angekündigt…hören wir Texte von Werner Milstein:

Maria
Zur Heiligen ist sie gemacht worden,
zur ewigen Jungfrau und Himmelskönigin,
man verehrt sie, man vergöttert sie,
man betet sie an, sie rückt in die Ferne.
Wahrscheinlich wäre sie selbst verwundert,
wenn sie sähe, was aus ihr gemacht worden ist.

In Nazareth war sie zu Hause,
einem Dorf im Norden Israels;
ihr Leben war einfach gewesen,
viel mehr hat sie wohl auch nicht erwartet.
Vielleicht hat sie wie all die anderen
vom Frieden geträumt, von Gerechtigkeit,
von einer besseren Zukunft.
Aber sollte das geschehen in einer Welt,
in der Waffen und Gewalt regieren, in der
die Mächtigen über die Zukunft entscheiden?

Es könnte nur sein, dass Gott selbst eingreift.
Aber warteten sie darauf nicht vergebens,
die Menschen in Jerusalem und auch in Nazareth?
Haben darauf nicht schon ihre Eltern gehofft
und all die Generationen zuvor?
Auch Maria hätte alle Zuversicht aufgegeben,
wäre da nicht das Wort eines Engels gewesen,
wäre da nicht dieses Kind,
das die Verheißung der Welt tragen soll.
Sie hat sich oft über ihn gewundert,
wie er, ein Kind noch,
mit den Schriftgelehrten im Tempel sprach;
wie er sie anfuhr bei der Hochzeit in Kana,
dass seine Stunde noch nicht gekommen sei.
Einmal wollten sie ihn von der Straße holen,
weil sie meinten, er sei von Sinnen.
Und was muss sie empfunden haben,
als er seine Hände über die Umstehenden
ausbreitete und sie alle als seine Mutter
und seine Geschwister bezeichnete?

Sie ließ ihn gehen und wich doch nicht von ihm,
sie stand unter dem Kreuz und sah ihn sterben.
Sie hielt den Leichnam in ihren Händen
und legte ihn unter Tränen ins Grab.
Hat er die Welt verändert oder ist er gescheitert?
War er Gottes Sohn oder war alles nur ein Traum?
Sie wird an das Wort des Engels gedacht haben
und an die Verheißung, die dem Kind galt.

Sie hat ihn gesehen, wie er zu einem neuen Leben
auferweckt worden ist; da hat sie erfahren,
was sie schon nimmer geglaubt hat,
dass Gott diese Welt nicht mit Macht regiert,
sondern, dass die Liebe sie verändern wird.
Sie hat es gewusst, seitdem sie den Engel
gehört hat, sie hat gewartet und gehofft.
Sie hat es mit eigenen Augen gesehen.

Engel
Wenn Worte zu Menschen kommen, dann bedarf es der Boten.

Wenn Gottes Wort zum Menschen kommt, dann verwandelt es sich zu einem Engel. Am Anfang, da war es nicht mehr, nur dieses eine Wort, das der Bote sprach. Er kam und ging mit seiner Botschaft, das Wort war seine ganze Existenz.

So kam er zu Abraham und versprach ihm einen Sohn.

So stellte er sich dem Bileam in den Weg und verhinderte, dass er Israel verfluchte. So half er dem Elia auf und stärkte ihn für die Strecke, die vor ihm lag.

Gott hat seine Boten aber nicht nur mit dem Wort ausgerüstet, er hat ihnen auch das Schwert in die Hand gegeben. So hat er Adam und Eva aus dem Paradies vertreiben. So ging er zu den Ägyptern und tötete ihre Erstgeborenen. So kämpfte Michael gegen Satanael und warf ihn in die Tiefen der Hölle. Bote Gottes ist der Engel und Kämpfer für seine Gerechtigkeit.

Es blieb nicht bei dem einen Boten, zu ihm gesellten sich im Verlaufe der Zeit die himmlischen Heerscharen, gegliedert in Hierarchien und angeführt von den Erzengeln. Und es blieb nicht bei dem Wort, aus den Boten wurden Zwischenwesen, die den Himmel mit der Erde verbinden.

Ein Engel brachte die Botschaft vom Kommen Gottes zur Erde, die himmlischen Heerscharen priesen die Geburt des Gottessohnes; dann aber entschwanden sie. Wenn Gott selbst auf Erden ist, dann bedarf er der Engel nicht. Nach dem Tod Christi war es wieder ein Engel gewesen, der kam und der die Botschaft des Himmels an die Erde brachte. Das Leben wird nicht vergehen, was zu Bethlehem begonnen hat wird auf Golgatha nicht enden. Das Licht, das Gott in unsere Welt gebracht hat, wird auch noch in der letzten Nacht leuchten. Seit der Gottessohn auf Erden war, geht diese Botschaft durch die Welt.

In diesem Advent, der alles andere als ruhig, beruhigend und friedlich ist, wünsche Ich Ihnen und unserer Gemeinde und allen Menschen der Erde eine Botschaft Gottes. Ob als gutes Wort, Zuwendung oder indem irgendwie ein Engel oder Bote Gottes zu Ihnen kommt, ich hoffe, die Botschaft der Weihnacht kommt an: Gottes Liebe wurde Mensch. Mensch wie Du und ich. Für Dich. Mit Dir…durch alle Zeiten. Das unmögliche ist für Ihn möglich. Und vielleicht dreht er so eine unglückliche Zeit auch wie es seine Art ist, doch in etwas glückliches um.

Amen.

Pfarrer Patrick Mauser
 

Wochenspruch

"Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!" | Phil 4,4.5b
 

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