Friede sei mit dir

Am 21. Juni haben wir ein Jubiläum gefeiert:
25 Jahre Ökumenisches Abendgebet
Die Predigt hat der katholische Parstoralreferent Norbert Brücken gehalten:

Liebe Gemeinde,

Der Prophet Micha, von dem wir eben einen Ausschnitt aus seinem Werk gehört haben, klagt die Priester an und wirft ihnen Bestechlichkeit vor. Die beklagten Zustände fordern das Gericht Gottes heraus. Dieses wird selbst den Tempel nicht verschonen.

In diese Situation hinein spricht er die folgende Verheißung, die im Neuen Testament als in Jesus erfüllt verkündigt wird. Gehen wir den Text im Einzelnen einmal durch.

Viele Nationen machen sich auf den Weg. Aber nicht alle. Eine Botschaft, die uns heute auch gut tut. Was wäre das schön, wenn allein in Europa das christliche Abendland wieder seinen Namen zu Recht trägt. Viele Nationen zum Berg Gottes zögen und sich von Ihm den Weg zeigen lassen würden wie es in unserer Lesung heißt. In Jesus ist diese Verheißung angebrochen. Machen wir uns auf den Weg und suchen wo wir etwas von dieser Verheißung entdecken. Wo Menschen in der Erziehung, in Familie und Beruf sich von Gott den Weg zeigen lassen. Wo Menschen darauf vertrauen, dass Gott Recht spricht im Streit vieler Völker ja sogar mächtige Nationen zurechtweist sogar noch bis in die Ferne.

"Christinnen und Christen aus der ganzen Welt haben sich ganz bewusst für einen „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ entschieden. In großer Übereinstimmung haben sie das sogar beschlossen, bei der letzten Vollversammlung des Weltkirchenrates in Busan, in Südkorea. Diese Menschen haben die weltweite ökum. Gemeinschaft wieder neu entdeckt. Nicht stehen bleiben und sich auf dieser unvollkommenen Einheit ausruhen, sondern tatsächlich wieder zu einer ökumenische Bewegung werden, die sich – von Christus – auf den Weg des Friedens leiten lässt. Wer einmal eine internationale ökumenische Versammlung besucht hat, der kann bestätigen : hier versammeln sich nicht Traumtänzer, die realitätsfernen Kirchenoberen, nicht die vermeintlichen „Gutmenschen“ oder allein die privilegierten Experten. Im Weltkirchenrat wird sehr darauf geachtet, dass sich jeweils eine möglichst repräsentative Versammlung einfindet, die uns allen gemeinsam mit den sehr brutalen Gewalterfahrungen und unsäglichen Ungerechtigkeiten konfrontiert. Da sitzt ein Bischof der syrisch – orthodoxen Kirche zusammen mit einer Campensina aus Guatemala. Da trifft ein Generalsekretär der südafrikanischen Konzilskirche auf den Pastor aus Indonesien. Die Geschichten, die sie von einander hören, machen sie oft sprachlos und manchmal haben sie nichts anderes als ihre Tränen, die sie miteinander teilen." (Aus einer Predigt zum Thema: "Er richtet unsere Füße auf den Weg des Friedens" von Fernando Enns, Prof. für Friedenstheologie in Hamburg, der der Mennoniten-Kirche angehört. Die Mennoniten lehnen den Wehrdienst ab.)

Wie das Reich Gottes dann aussieht, ist in den folgenden Versen unseres heutigen Textes beschrieben. Da heißt es: “Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.“ Soweit die Bibel. Es wird immer wieder gesagt : “Konflikte müssen politisch also mit Verhandlungen gelöst werden und nicht militärisch.“ Dem kann man nur zustimmen. Ich bin allen dankbar, die sich trotz aller Schwierigkeiten, um politische Lösungen bemühen. Aber auf der anderen Seite steht die Bundesrepublik, was den Rüstungsexport angeht an 3. Stelle in der Welt. Das bedeutet Export von Hunger, Arbeitslosigkeit, Flucht und auch noch anderer Not, z.B. Tötung von Verwandten und Freunden.

Bitten wir Gott im „Vater unser“ bei der Bitte um sein Reich, dass sich das ändert. Dass er Menschen ermutigt, Schritte auf dem Weg zum Frieden zugehen. Folgerichtig heißt es in unserem Text weiter, wenn das geschieht dann :“Zieht man nicht mehr das Schwert Volk gegen Volk und übt nicht mehr für den Krieg.“ Weiter heißt es :“Jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf.“  Wie schön wäre das, wenn sich jeder nur auf das beschränkte, was ihm gehört und sich nicht das aneignet, was anderen gehört. Man muss nur daran denken wie schwer es die friedlichen Palästinenser haben unter ihrem Feigenbaum unter ihrem Weinstock zu sitzen. Ich weiss, es gibt auch die radikalen Palästinenser. Aber bleiben wir bei den friedlichen. Die müssen hinnehmen, dass ihr Weinberg mutwillig zerstört wurde, eine riesengroße Mauer durch ihr Grundstück geht. Wie schön wäre es, wenn sie nicht aufgeschreckt würden, keine Angst zu haben bräuchten.

Mir ist klar, dass diese Verheißung, die der Prophet Micha beschreibt und die Jesus aufgegriffen hat, eine große Herausforderung an den Glauben ist. Aber haben wir Christen denn eine andere Wahl wenn wir Frieden für alle Völker wollen, wenn wir wollen, dass die vielen Flüchtlinge endlich eine neue Heimat finden, darauf zu vertrauen, dass wir mit Gottes Hilfe Schritte in diese Richtung gehen können und gehen?

Intensives Gebet kann da eine Hilfe sein.

Es gibt auch jedes Jahr Ostermärsche, die u.a. von der internationalen kath. Friedensbewegung PAX Christi organisiert werden, wo man deutlich machen kann, dass man Frieden will und zwar für alle. Wenn Politiker merken, dass zumindest ein größerer Teil Veränderung in Richtung Frieden will, werden sie sich darauf einstellen. Auf diese Weise werden alle die Politiker unterstützt, die sich um Frieden bemühen.

Weiter heißt es in unserem Text: “Denn alle Völker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, für immer und ewig.“                                                                            

Welch eine große Toleranz und Anerkennung anderer Religionen. Jedes Volk kann seinen Weg gehen, seinen Gott anrufen. Beim Friedensgebet in Assisi war so etwas spürbar. Zum Glück hat sich das 2. Vatikanische Konzil von der Auffassung verabschiedet: “Außerhalb der Kirche kein Heil.“ Diese Auffassung hatte viel Not über die Menschen gebracht. Das Konzil hat die Türe auf Ökumene hin nicht nur unter den Christen weit geöffnet.

Ein gutes Beispiel das den Sinn der Bibelstelle  deutlich macht steht in einem kurzen Artikel von der Wochenzeitungzeitung: „Christ in der Gegenwart“ ich lese ihn vor:
„Der italienischen Entwicklungshelferin Silvia Romana, die in Somalia vom “Islamischen Staat“ entführt und anderthalb Jahre gefangen gehalten wurde, schlägt nach ihrer Freilassung in der Heimat Ablehnung entgegen. Denn sie war in ihrem Leid zum Islam übergetreten, hatte als neuen Namen “Aisha“ gewählt und gibt ihren muslimischen Glauben auch in Freiheit nicht auf. In der Öffentlichkeit trägt sie Kopftuch.
In rechten Zeitungen und sozialen Netzwerken wird Silvia Romana als „undankbar“ attackiert, als gefährliche Salafistin verdächtigt. Es gab Morddrohungen. Inzwischen steht sie mit ihrer Familie unter Polizeischutz. Der syrische Priester Jacques Mourad, der selber lange von Dschihadisten entführt war, nimmt die Frau in Schutz:
Wenn er Silvia Aisha einmal treffen würde, dann würde er sie „wie eine Schwester umarmen, eine Schwester im Glauben und in der Lebenserfahrung.“
Auch als Muslimin verdiene sie es, “mit Zärtlichkeit und Liebe Gottes und Jesu aufgenommen“ zu werden. „Wir dürfen jetzt nicht schockiert und entrüstet sein - keiner weiß, was sie durchgemacht hat, keiner kennt das Leiden, da sie erlebt hat.“ Soweit der Artikel aus der Zeitung.

Silvia Aisha geht jetzt mit ihrem Glauben auf den Zionsberg mögen ihr da die Wunden geheilt werden, dir ihr zugefügt wurden. Möge Ihnen die  Verheißung aus dem Mund des Propheten Micha gut tun, Ihnen Mut machen, Schritte in Richtung Frieden zu gehen und wenn es nur kleine Schritte sind. Viele kleine Schritte ergeben ein großes Ganzes. Das wünsche ich Ihnen und mir sehr.

Amen.
 
Norbert Brücken