Jesu Jugendzeit

Predigt zum 3. Januar 2021 von Pfarrer Patrick Mauser

Liebe Gemeinde,

wir befinden uns an diesem Sonntag in einer Zwischenzeit. Im Kirchenjahr heißt dieser Sonntag der „2. Sonntag nach dem Christfest“.

Nach Weihnachten und kurz vor „Epiphanias“ oder „Heilige drei Könige“.

Unser Predigttext trägt der Zwischenzeit Rechnung. Er handelt von dem Aufwachsen des Kindes aus der Krippe. Also die Zwischenzeit, von der wir so wenig wissen, die Zwischenzeit von Kind bis zum erwachsenen Mann, der zum Jordan zu Taufe kommt. Nur im Lukasevangelium wird davon erzählt. Nun will ich die Worte dieser Zwischenzeit lesen. Aus dem Lukas-Evangelium im 2. Kapitel:

Rückkehr nach Nazaret. Jesu Kindheit
Als Josef und Maria alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn verlangte, kehrten sie nach Galiläa in ihre Heimatstadt Nazaret zurück. Jesus wuchs heran; er war ein kräftiges Kind, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

Der zwölfjährige Jesus im Tempel
Jesu Eltern zogen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem hinauf. Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie den Jungen mit und gingen wieder dorthin, wie es der Sitte entsprach. Doch als sie sich nach den Festtagen auf den Heimweg machten, blieb Jesus in Jerusalem, ohne dass seine Eltern etwas davon wussten. Sie dachten, er sei irgendwo in der Pilgerschar. Erst nachdem sie eine Tagereise zurückgelegt hatten, fingen sie an, unter Verwandten und Bekannten nach ihm zu suchen. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn dort zu suchen. Endlich, nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die dabei waren, staunten über die Klugheit seiner Antworten.
Seine Eltern waren völlig überrascht, ihn hier zu sehen. »Kind«, sagte seine Mutter zu ihm, »wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich verzweifelt gesucht.« Jesus erwiderte: »Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?« Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte.
Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter behielt alle diese Dinge im Gedächtnis.

Jesu Jugendzeit
Jesus nahm weiter zu an Weisheit und wuchs zu einem jungen Mann heran. Gottes Gnade war mit ihm, und die Menschen hatten Freude an ihm.


„Also Herr Mauser, ich verstehe mein Kind gerade überhaupt nicht. Es ist, als wäre er von heute auf morgen ein anderer Mensch geworden“.

So klagte mir mal eine Mutter über ihren Sohn in der 6. Klasse. Ungefähr im Alter von Jesus aus dieser Bibelgeschichte.

Die Pubertät – sie stellt vieles auf den Kopf. Wenn nicht alles…aber Sie ist auch die Zeit, in der man, fast zum ersten Mal, selbst entdeckt, was man für ein Mensch ist. Und das durch viele Konflikte und viel Drama durch. So erleben es auch Maria und Josef, so scheint es.

Und Drama gibt es hier genug – im Grunde ist das der Albtraum aller Eltern: „Das Kind ist weg! Hast du es gesehen?“ Also mitten aus den alltäglichen Ängsten gegriffen. Moment – hier sind wir mitten in einer tief-menschlichen Geschichte:

Als Josef und Maria alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn verlangte, kehrten sie nach Galiläa in ihre Heimatstadt Nazaret zurück. Jesus wuchs heran; er war ein kräftiges Kind, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

Das Gesetz verlangt die Beschneidung am achten Tag des Lebens. Nach diesem großen Fest am Ende des Wochenbettes, geht die Familie Maria, Josef und der kleine Jesus wieder nach Hause nach Nazaret. Jesus wächst auf…doch schon als Kind „erfüllt mit Weisheit“ und „Gottes Gnade“ ist auf ihm. Schon ein kleiner Ausblick. Was das im Leben eines Säuglings, später Kindes heißt, bleibt unserer Fantasie überlassen…aber wir werden daran erinnert, dass dieses scheinbar ganz normale Kind, etwas Besonderes ist!

Der zwölfjährige Jesus im Tempel
Jesu Eltern zogen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem hinauf. 42Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie den Jungen mit und gingen wieder dorthin, wie es der Sitte entsprach.


AHA! Das ist aber spannend:  jedes Jahr ging die Familie auf Wallfahrt zum Tempel zum Passafest. 11 Jahre lang schien das ganz normal abgelaufen zu sein.

Da sind wir wieder beim „über Nacht hat sich mein Kind verändert“. Auf einmal ist er auf dem Heimweg verschollen. Er ist auch nicht bei den Verwandten, wie sie dachten. In Panik drehen Maria und Josef um…kaum vorstellbar diese Angst und Sorge der beiden. Oder Sie können es sich sehr genau vorstellen. Eltern kennen diese Angst oft! Man stelle sich das vor, was jetzt kommt: Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn dort zu suchen. Endlich, nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel.

DREI TAGE suchen die beiden nach ihrem Sohn. Unglaublich und gleichzeitig ein spannender Trick des Lukas: drei Tage lang wird Jesus für tot gehalten von seinen Jüngerinnen, seiner Mutter und er Welt. Doch was passiert dann am Ostermorgen? Was passiert nun in unserer Geschichte? Jesus wird gefunden! Und wo ist er? Bei den römischen Behörden? Mitten auf dem Marktplatz? Nein, im Tempel, in dem, was man „Haus Gottes nennt“. Mitten zwischen Erwachsenen Schriftgelehrten und sie alle sind beeindruckt von ihm und seinen Fragen. Oh, er fragt? Jesus fragt über Gott? Ja, das lässt sich für mich nur darin erklären, dass in diesem Mix aus Mensch und Gott, sich Jesus selber als 12-jähriger erst finden muss. Und dadurch ist dieser Gott auf Erden schon wieder total, echt und authentisch Mensch!

Und nach einem scheinbar „normalen“ Leben mit Kind werden Maria und Josef daran erinnert, wer dieses Kind ist: Gottes Sohn auf Erden. Für die Menschen Mensch geworden, um ihnen die Freiheit zu schenken auf dieser Welt und darüber hinaus! Gott wurde ganz Mensch in der Krippe und hier werden wir erinnert, dass dieser Junge auch ganz Gott ist!

Seine Eltern waren völlig überrascht, ihn hier zu sehen. »Kind«, sagte seine Mutter zu ihm, »wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich verzweifelt gesucht.« Jesus erwiderte: »Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?« Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte.

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie es da Josef gehen musste? Maria meint Josef, wenn sie sagt: „Dein Vater und ich haben dich verzweifelt gesucht“, dann stellt Jesus aber etwas klar und meint damit einen ganz anderen „Vater“ als Josef, der ja eben sein Ziehvater ist: »Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?«

Ein typischer Pubertätssatz. Der muss Josef in den Magen geschlagen haben. Er ist eigentlich der stille Held der Weihnachtsgeschichte: nach jüdischer Sitte hätte er Maria verstoßen sollen, er wäre öffentlich geschmäht worden, wenn man erfahren hätte, dass seine Frau schwanger wurde, bevor die beiden geheiratet haben. Doch er scheint der stille und ungenannte Helfer der Geschichte zu sein. Immer erinnert, dass er mit diesem Kind, diesem besonderen Kind nicht verwandt ist. Und hier werden Josef und wir als Hörer daran erinnert, dass dieses Kind der Sohn des Höchsten ist. Schon wieder. Das ist viel zu verdauen – darum können es Maria und Josef nicht fassen und aufnehmen.

Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter behielt alle diese Dinge im Gedächtnis.

In Maria arbeitet es: wie als der Engel die Geburt des Kindes ankündigte: sie behielt es im Herzen und im Gedächtnis. Es wird bald alles anders, denkt sie sich vielleicht.

Liebe Gemeinde,
wo wir uns jetzt von Weihnachten weg bewegen, gefeiert haben, wie klein und verletzlich sich Gott gemacht hat und darin seine Größe bewiesen hat, räumen wir so langsam alles vom Fest auf und schauen nach Ostern: dieses Kind in der Krippe wird seine Mission aufnehmen, wird uns seinen Vater im Himmel nahe bringen. Und diese Geschichte soll uns erinnern, wozu Weihnachten war: dass wir dieses neue Jahr und unser Leben gestärkt leben: Gott kam für dich zur Welt – zu keinem größeren oder kleineren Zweck als für dich. In seiner großen Mission zeigt sich das Kleine als das wichtige. Und dadurch, dass er für dich zur Welt kam, kannst du dich ganz groß fühlen. Auch, wenn wir uns manchmal klein gedrückt fühlen, Gott will dich groß machen. Dafür hat er sich klein gemacht.

AMEN.

Pfarrer Patrick Mauser

 

Wochenspruch

"Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." | Joh 1,14b
 

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