Jesu Taufe

Predigt zum 10. Januar 2021 von Pfarrer Patrick Mauser

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext heute hat mit der Taufe zu tun – schade, wir haben gerade so wenige davon. Aber verständlich. Ich würde auch gerne heute eine Tauferinnerung machen, doch auch das ist heutzutage schwer. Nun, heute geht nicht um die Taufe an sich, sondern um die Taufe von einem ganz besonderen Menschen: es ist die Taufe von Jesus.

Und die große Frage dabei ist und bleibt ja diese: warum hat sich denn bitte Jesus taufen lassen? Er war doch der, der gesagt hat: „Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Da bleiben Fragen. Hören wir aber zuerst mal auf den Predigttext aus Matthäus 3:

Die Taufe Jesu
Auch Jesus kam aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes wehrte sich entschieden dagegen: »Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?« Aber Jesus gab ihm zur Antwort: »Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert.« Da willigte Johannes ein.
In dem Augenblick, als Jesus nach seiner Taufe aus dem Wasser stieg, öffnete sich über ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und aus dem Himmel sprach eine Stimme: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“


Liebe Gemeinde,
jetzt müssen wir schnell noch über diesen Johannes reden, der Jesus da taufen soll. Er hieß Johannes der Täufer und er traf Jesus zum ersten Mal im Bauch seiner Mutter – vielleicht kennen Sie die Geschichte: Als Elisabeth und Maria, mit dem Jesuskind im Bauch, sich trafen, da hüpfte das Kind im Bauch – so die Vorgeschichte der Weihnachtsgeschichte.

Es sind zwei zukünftig Große, noch ungeboren im Leib der Mütter – so viel ist klar – nur Jesus ist ein viel Größerer als Johannes, so heißt es in der Bibel.

Johannes Job war es, die Menschen auf das Auftreten und den Beginn der Mission Jesu vorzubereiten.
Unter anderem durch die Taufe. Doch Johannes sagte, dass er nur mit Wasser taufe – Jesus sei derjenige, der die „richtige“ Taufe errichtet: mit dem Geist. So wie wir auch heute auch Kinder mit Wasser taufen, da gehört natürlich das Göttliche noch dazu.

Doch zurück zur Taufe Jesu. Wie fast immer in der Bibel, steckt so viel in diesen Texten: Man kann ewig darüber lesen und entdeckt immer wieder Neues. Gehen wir dahin, was das Besondere ist und was für eine Botschaft für uns darin enthalten ist: was der Text über Jesus und seinen Auftrag sagt.

Auch Jesus kam aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.

AUCH Jesus. Wie so viele andere – von den anderen Menschen nicht zu unterscheiden. So kam Jesus dorthin, wo Menschen Kontakt mit Gott gesucht haben: bei dem, der von Gott so spannend sprach, eben diesem Johannes dem Täufer.

Und so eine Kleinigkeit, die ich absolut genial finde: wenn Jesus von Galiläa kam, so ging er tatsächlich von einer Hochebene hinunter ins Tal, wo der Jordan floss. Ein bewusstes Bild. Fast ein anderes Bild für Weihnachten, denn genau darum geht’s:

Jesus läuft mit dir und mir mit. Gott ist mitten unter uns und zwar nicht von uns und unseren Nachbarn zu unterscheiden. Gott kommt „HERUNTER“ zu uns - nicht auf der großen, fernen Wolke wohnt Gott, sondern er wohnt ganz nah bei uns! Jesus, Gottes Sohn, also Gott zugleich, als auch Mensch, läuft zwischen uns. Hier wortwörtlich.

Und ich stelle mir vor, wie Jesus in einer Schlange steht…im Schlamm des Jordanufers…und spricht vielleicht mit seinen Nachbarn. Er ist einer von vielen – so wie du und ich. Tut das nicht gut, so etwas zu lesen?

Gott steht in der Schlange und wartet auf seine Taufe. Soweit der ganz menschliche Teil Jesu – er gehört zu seiner Geschichte. Dazu gehört, dass Jesus Freude erlebt, Enttäuschung, so wie du und ich. Ja, Jesus lernt kurz vor seiner Kreuzigung auch Angst kennen und danach unvorstellbare Qualen und Schmerz. Alles für uns als Zeichen: Gott versteht dich. Er hat schlimmstes durchlitten. Er kennt die Welt der Menschen. Er kennt die Welt, in die wir unsere Kinder taufen und erziehen und beschützen wollen.
Und dann lichtet sich die Schlange. Jesus ist der nächste, der zu Johannes darf. Und der reißt die Augen auf! Wie damals im Mutterleib, weiß Johannes sofort, wer da vor ihm steht und er ist fassungslos:

Johannes wehrte sich entschieden dagegen: »Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?«

Klar, Johannes muss da nachfragen. Sein Auftrag war doch den Weg frei zu machen und die Leute vorzubereiten: für den Messias, den Erlöser, den König der Welt, das Licht der Welt…und der steht jetzt da in der Schlange und Johannes soll IHN taufen??? Das passt doch nicht zusammen!
Und Jesus?

Aber Jesus gab ihm zur Antwort: »Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert.« Da willigte Johannes ein.

Und so tauft Johannes ihn dann. Etwas ratlos wahrscheinlich. “Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert“.
Gottes Gerechtigkeit.

Was könnte das bedeuten? Johannes dachte wahrscheinlich, dass es Gottes Gerechtigkeit sei, dass Jesus in einer Feuerwolke über das Land schießt und die Römer davonjagt, die das Land beherrschen und allen in einem Feuerwerk und viel Rauch zeigt, wie unendlich groß und mächtig Gott ist. Dann müssten alle auf die Knie fallen in Ehrfurcht und alle Welt auf einmal endlich an Gott glauben.

Vielleicht wünschen wir uns das auch manchmal, die doch das Gefühl haben müssen eine Ausnahme zu sein. Dass Gott sich doch mal zeigt in den Wolken über den Städten, sodass die Welt sich wieder an ihn erinnert, und hier die Kirche aus allen Nähten platzt. Doch dann hätten wir die Art wie Gott heute wirken möchte verkannt - wahrscheinlich auch wie Johannes - denn dieser Gott, der steht in der Schlange, der macht sich die Füße dreckig, der geht „nach unten“ zu den Menschen. Erinnern wir uns: das große Erscheinen des Sohnes Gottes, es fand an Weihnachten als ein einfacher Schlucker statt. In einer Futterkrippe und nicht in einem vergoldeten Kinderbett. Gott macht es anders: er will die Sichtweise der Menschen verändern, er will ihre Herzen berühren und ihnen keine Angst machen. Der Weg der Gerechtigkeit Gottes, das ist der Weg Jesu: der Weg zwischen und unter den Menschen.

Der Weg zu den Einsamen, den Kranken und den Ausgestoßenen - da ist Gottes Platz und nicht in einer Feuerwolke im Himmel! So begann Jesu Weg in einer Krippe und so geht er weiter.

Doch, es soll kein Zweifel aufkommen, und kam auch nie in der Geschichte Jesu auf Erden, denn das andere muss auch ganz klar sein: Der da in der Schlange steht ist GOTTES SOHN und somit GOTT SELBER! Nach der Taufe wird uns das klar!

In dem Augenblick, als Jesus nach seiner Taufe aus dem Wasser stieg, öffnete sich über ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Und aus dem Himmel sprach eine Stimme: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“


Hossa! Alle sollen es gleichzeitig wissen: Johannes hatte Recht, denn er hat dem Größten den Weg bereitet: Jesus Christus Gottes Sohn, Erlöser der Menschheit und Licht der Welt. Gott spricht auf die Erde…das hat er seit den Tagen der ersten Mütter und Väter im Alten Testament nicht mehr gemacht und macht er danach im Neuen Testament auch nicht mehr…Gottes Gerechtigkeit ist eine andere, aber SIE IST GÖTTLICHER WILLE:

Er ist die Aufforderung, das zu tun, was Jesus getan und gesagt hat: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ oder dass jedes Leben wertvoll ist und von Gott geliebt, so sehr, dass er seinen Sohn in den Tod gegeben hat, dass er alle Schuld der Menschheit auf sich genommen hat, damit wir froh und befreit Leben dürfen…für immer und ewig, denn auch das verspricht er uns. Gottes Gerechtigkeit soll dein Leben und dass der Welt bereichern und verbessern und die Welt frei machen im hier und jetzt, nicht erst am St. Nimmerleinstag.

Und das alles ist für mich ein Bild für die Taufe, wie wir sie in unserer Zeit feiern: keine Feuerwolke in der Kirche wird da gesehen, oder der Himmel öffnet sich nicht und doch ist es die gleiche Stimme, die in der Bibel aus den Wolken spricht, die bei einer Taufe sagt: „Du bist mein geliebtes Kind und ich will, dass Du zu mir gehörst! Und meinen Weg gehst, der Weg, der manchmal anders ist, als der der Masse – einen, der auf andere achtet, einen, der aber dich auch stark macht!“

Manches läuft im Leben ohne Effekte ab, auch wenn eine Geburt wirklich ein spektakuläres und beängstigendes und großes Erlebnis ist…es kommt kein Feuer vom Himmel oder eine Stimme aus dem Himmel, die einen offiziell zu Eltern erklärt…und trotzdem weiß man, wenn man sein Kind angeschaut hat, dass jetzt Neues passiert und man alles tut, was in seiner Macht steht um auf dieses Kind aufzupassen und es zu begleiten. Eine stille Naturgewalt, so wie auch die Liebe Gottes und seine Zusage in der Taufe. Liebe kann doch so leise sein und doch die Welt verändern.

Denken wir auch ein paar Wochen nach Weihnachten nochmal an diesen Gott, der Schlange steht, der im Dreck watet und einer von uns wurde, dass wir seinen Weg der Gerechtigkeit gehen und dass die Welt verändert wird und wir froh und frei sein können. AMEN.


Pfarrer Patrick Mauser

Wochenspruch

"Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder." | Röm 8,14
 

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