Jesus lebt!

Predigt zum 4. April 2021 von Pfarrer Patrick Mauser

[Pfarrer steigt auf die Kanzel und beginnt sich mit einem elektrischen Rasierer zu rasieren]

Liebe Gemeinde,
bitte entschuldigen Sie diese drastische Maßnahme. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für manche von Ihnen ein Unding ist, wenn sich der Pfarrer auf der Kanzel rasiert. Weder habe ich heute Morgen verschlafen und muss deshalb diesen Teil des täglichen Badrituals nachholen, noch will ich sie in irgendeiner Form provozieren.

Nur eines steht fest: Sie haben jetzt exakt das gleiche „Problem“ wie die Jünger damals am Ostermorgen: Wenn sie heute nach Hause kommen und erzählen, dass der Pfarrer sich auf der Kanzel rasiert hat, dann wird es ihnen genauso gehen wie den Jüngerinnen und Jüngern:

„Zitternd vor Angst und Bestürzung flohen sie aus dem Grab. Sie redeten mit niemandem darüber, so sehr fürchteten sie sich. Jesus war am frühen Sonntagmorgen von den Toten auferstanden [...] Sie ging[en] zu den Jüngern, die um ihn trauerten und weinten, und berichtete[n] ihnen, dass Jesus [lebt] und dass sie ihn gesehen [haben]. Doch sie glaubten [ihnen] nicht.“ (Mk 16, 8-10)

Über was hat der Pfarrer gepredigt? Er hat sich rasiert. Mit einem elektrischen Rasierer. Ja sicher... wer’s glaubt. Man wird ihnen den Vogel zeigen. Das Grab ist leer? Jesus ist auferstanden? Ja sicher... wer’s glaubt! Diese armen Irren, jetzt drehen sie komplett durch. Ihr Meister ist tot und jetzt versuchen sie mit irgendwelchen Tricks sein Versagen zu erklären. So ungefähr stellten sich die Jünger wohl die Reaktion derer vor, denen sie die sensationelle Nachricht überbringen würden.  Und nun wird auch verständlich warum es von ihnen heißt:

„Zitternd vor Angst und Bestürzung flohen sie aus dem Grab. Sie redeten mit niemandem darüber, so sehr fürchteten sie sich.“ (Mk 16, 8)

Ich dachte immer, dass die Jüngerinnen und Jünger doch voller innerer Freude und großem Tatendrang erfüllt sein müssten nachdem sie das leere Grab gesehen hatten. Dass sie es kaum abwarten können, jedem die große Neuigkeit zu erzählen: „Jesus lebt!“ Falsch gedacht. Sie waren wie gelähmt, weil sie schlichtweg Angst hatten, für komplett verrückt gehalten zu werden und sich lächerlich zu machen. Stellt sich die Frage, ob diese Nachricht heute auch noch so unglaubwürdig klingen würde.

Wenn Sie nach dem Gottesdienst hoch zum Tsimpo gehen würden und dort den Menschen davon erzählen, dass heute Ostern und Jesus auferstanden ist, was würde passieren? Einige würden sicher sagen: „Ja, na und? Kennt man doch. Ostern – gibt es doch jedes Jahr. Auferstehung – hab ich im Reli-Unterricht gelernt. Erzähl und mal was Neues!“ Andere würden vielleicht sagen: „Ach echt? Ich dachte, das ist das Fest, an dem der Osterhase die Eier bringt... Dass das einen religiösen Hintergrund hat wusste ich ja gar nicht!“ So oder so. Die Nachricht von der Auferstehung Christi holt heutzutage niemand mehr hinter dem Ofen vor. Das ist schon lange kein „Aufreger“ mehr. Ostern – damit verbindet die Mehrheit der Deutschen eher ein langes Wochenende zum Frühlingsbeginn:

Das wichtigste und größte Ereignis der Menschheitsgeschichte ist heutzutage nur noch gut für ein verlängertes Wochenende. Die Kraft und Freude, die vom leeren Grab ausstrahlt, geht doch allzu oft unter zwischen Ostereier suchen und dem Festtagsessen. Das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt, landet da allzu oft im Römertopf und wird mit Rosmarinkartoffeln und Speckböhnchen serviert. Hasen und Eier statt Vergebung und Erlösung.

Liebe Gemeinde,
wir wollen nicht klagen. Nicht am Ostermorgen. Denn Ostern hat nichts von seiner Kraft eingebüßt. Die Gotteskraft, die selig macht. Das Licht des Ostermorgens, das unsere toten Winkel ausleuchtet und es in unserer Schattenwelt hell werden lässt. Jesu Kreuzweg zur Vergebung unserer Sünden.

Auch ein Kreuzweg! Und man kann immer noch einmal von vorne anfangen. Wer beim „Mensch ärgere dich nicht-Spiel“ rausfliegt, erhält eine neue Chance.

Und fängt noch einmal von vorne an. In etwa so funktioniert Vergebung: Das Prinzip der neuen Chance, die Gott uns immer wieder gibt. Aber auch noch etwas anderes wird spielerisch sichtbar: Wirklich sicher ist man nur zu Hause. Erst wenn die Spielfigur im „Haus“ angekommen ist, kann sie keiner mehr rauswerfen. In etwas so funktioniert der Himmel: Gott gibt uns ewige Sicherheit in seinem Vaterhaus. Den Weg zur Vergebung und in die Ewigkeit hat Jesus an Ostern geöffnet. Durch seinen Tod und seine Auferstehung. Liebe Gemeinde, Nein – Ostern hat nichts von seiner Kraft eingebüßt. Jesus hat wie kein Zweiter die Weltgeschichte beeinflusst.  Und einzelne Lebensgeschichten. Zu den ersten gehörten diese Drei: Simon Petrus war ein einfacher Fischer. Er war ein Hitzkopf, ein Mann der Tat, ein Energiebündel. Und trotzdem hat er Jesus vor dessen Tod dreimal verraten bevor der Hahn dreimal krähte. Daran erinnert auch heute noch der Hahn auf vielen Kirchendächern. Trotzdem hat Gott ihm zum Grundstein seiner Gemeinde gemacht. Den Ungebildeten, den Hitzkopf, den Verräter. Mal sehen, was Gott mit dir anfangen kann. Oder Paulus, der Jesus mit voller Energie verfolgte, als es noch Saulus hieß. Er war Jude, Pharisäer, gebildet, angesehen und hatte nur ein Ziel: die Anhänger dieses anmaßenden Sektenführers zu verfolgen und auszurotten. Dann erschien ihm der tote Jesus quicklebendig auf dem Weg nach Damaskus und alles wurde anders:  Er war der Missionar, der Israel hinter sich ließ und das Christentum nach Griechenland und Rom brachte. Das hat er mit dem Tod bezahlt. Und dafür ewiges Leben gewonnen. Das ist bis heute das Prinzip Gottes: Folge mir nach, gehe deinen Lebens-Weg mir hinterher und erhalte ewiges Leben. Und natürlich Maria. Als junge Frau und Jungfrau hat sie Jesus empfangen. Zeitlebens gehörte sie zu den Jüngerinnen ihres Sohnes, der auch vor allem Sohn Gottes war und ist.

Eine große Rolle für ein einfaches Mädchen aus der Kleinstadt Nazareth. Du kommst auch aus einer Kleinstadt? Gott hat gute Pläne für dich und dein Leben!1 Das gilt bis heute.   Mit einfachen Menschen schreibt Gott seine Ostergeschichte weiter. Er kann jeden gebrauchen. Dich und mich. Österlich leben, das heißt uns ist vergeben und wir sind berufen zu einem Leben hinter Jesus her. Als seine Zeugen und Boten der Osterbotschaft und mit einem klaren Reiseziel: der ewigen Gemeinschaft mit ihm. Wir brauchen an Ostern keine Angsthasen zu sein!

Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht!


AMEN

Ihr Pfarrer Patrick Mauser

 

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