Karfreitag - Tag der Kreuzigung Jesu

Das Wort kommt vom altdeutschen 'kara', also wehklagen. Es ist der Freitag vor Ostern. An diesem Tag wurde Jesus verurteilt und gekreuzigt. Sein Tod macht den 'Sohn Gottes', als der Jesus von Nazareth nach Ostern verehrt wurde, zum Bruder aller Menschen. Sein Leiden lässt ihn allen leidenden Menschen nahe sein. Mit Jesu Tod verbindet sich auch ein besonderes Gottesverständnis: Gott teilt das Leiden und Sterben der Menschen. Darum kann Gott die Menschen in ihren Tiefen verstehen und glaubwürdig trösten. Dieser Gedanke steht im Mittelpunkt der Karfreitagsgottesdienste.

In unserer Kirche bleibt der Altar ungeschmückt. Die Kerzen erlöschen.

Informationen zum Kirchenjahr www.daskirchenjahr.de

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 
Johannes 3, 16
 

Liedvorschläge zu Karfreitag

EG  85     O Haupt voll Blut und Wunden  
EG  93, 1-4       Nun gehören unsere Herzen
EG  97,1-6     Holz auf Jesu Schulter
In einer fernen Zeit (Wwdl+ 164)
www.lieder-vom-glauben.de

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Schriftlesung: Jesu Kreuzigung und Tod

Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.

[Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!] Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!

Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen!

Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles. (Lukas 23, 33-49)


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Predigt

Liebe Gemeinde am Karfreitag,

„Lasst euch versöhnen mit Gott“

Predigttext:  2. Korinther 5, 19-21
„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“

Karfreitag – als Konfirmand und Jugendlicher beunruhigte mich dieser Tag der Ruhe. Man durfte dies und das nicht. Fast wie jetzt mit Corona. Kein Sport, keine Besuche, keine laute Musik, keine Disco, kein Tanz. Was sollte man den ganzen Tag tun.
Alles wegen dieser Geschichte, dass Jesus gekreuzigt wurde, vor 2000 Jahren. Wie lang ist das denn her?
Warum muss mich das heute noch beschäftigen?
An einem Kreuz stirbt bei uns keiner mehr. Öffentliche Hinrichtungen sind vorbei.

Das Kreuz braucht keiner mehr. Wäre Kirche nicht viel freundlicher ohne das Kreuz, viel sympathischer? Immer diese Düsterheit. Immer dieses Leiden direkt vor Augen, das Kreuz in den Kirchen. Kann das Kreuz nicht mal weg?
Nein! Für mich unmöglich. Leid ist in der Welt. Schuld entsteht.

Wir haben die Leidensgeschichte nach Lukas gehört. Wir hörten die Worte von Paulus an die Gemeinde in Korinth: „Lasst euch versöhnen mit Gott.“
Dazu gehört, dass wir den Weg mitgehen. Seinen Weg: Abschied, Verrat, Verurteilung, Hinrichtung. Wir werden Zeugen eines qualvollen Todes.
Es fällt nicht leicht, diesen Weg mitzugehen; am liebsten wegschauen oder sich mit anderen Dingen beschäftigen, so wie wir auch sonst oft den Gedanken an Leiden und Sterben aus unserem Leben auszuklammern versuchen. Der Tod ist immer der Tod der anderen.
Aber der Karfreitag ist unerbittlich: ohne Schonung stellt er uns vor dieses Kreuz in der Mitte. Er hält uns das Bild des Leides vor Augen, in dem wir Spuren des Leides in unserer Welt erkennen. Der an der Welt leidende und sterbende Christus ist in jedem Leidenden gegenwärtig.

Jesus trägt das Leid, das Menschen einander zufügen: der Verrat durch den Freund, die Verleugnung durch einen seiner vertrautesten Anhänger, die Schläge und Verspottung eines Wehrlosen, die Gefühllosigkeit derer, für die Hinrichtung und Terror zum Alltag gehören.
Jesus wird zum Spielball der Mächtigen, denen ein Menschenleben nichts wert ist. Er muss den Hassausbruch einer angestachelten Menschenmenge aushalten und schließlich die Demütigung ertragen. In seinen äußersten Qualen ist er den neugierigen Blicken der Schaulustigen ausgeliefert.

Wir erkennen in den Zügen dieser Geschichte nicht nur die Leiden, die Menschen einander zufügen. Wir erkennen darin auch die Spuren des Leides, das Menschen in schwerer Krankheit und jeder Mensch angesichts seines Todes erfahren muss: die Ausweglosigkeit der Situation, die Ohnmacht, sich nicht selbst helfen zu können. In allem das Ringen mit Gottes Willen, der das Unbegreifliche zulässt.
In diesem Jesus erkennen wir den ganzen Menschen. Wir sehen das Leben, wie es sich heute und jetzt in vielen Teilen der Welt abspielt.
Jesus hat sein Menschsein angenommen mit allen Dimensionen des Lebens. Vor nichts hat er die Augen verschlossen. Damit hält er uns einen Spiegel vor, einen Spiegel unserer selbst, vor dem wir leicht erschrecken können, aber nicht die Augen verschließen sollten.

„Seht, das ist der Mensch!“. Lässt der Evangelist Johannes den römischen Statthalter Pontius Pilatus sprechen, und er meint damit weit mehr als nur diesen einen Menschen Jesus.
Und was ist Wahrheit – lässt er Pilatus fragen? Hat nicht jeder seine Wahrheit?
Der Karfreitag hat etwas mit der Wahrheit zu tun, mit der Wahrheit über uns und über Gott.
Wir haben in den letzten Tagen wieder viel davon verfolgen können in den Nachrichten. Wozu der Mensch fähig ist. Da sind unschuldig gestorbene. Da gibt es die Mitleidenden, aber ohne Macht. Da gibt es die, die am Leid verdienen, es ist ihr Geschäft. Das Kreuz Jesu ist auch eine Anklage. Eine Anklage gegen alles sinnlose Leiden und gegen Gewalttätige.
Menschliches Leid bringt Wahrheit über hervor. Denken wir an die Wahrheit, die bei Verbrechen auf den Tisch kommt. Denken wir an das Leid der Geflüchteten, das die Wahrheit über unsere Weltgemeinschaft offenbart.
Jeder von uns muss Stellung beziehen, wenn ihm Leid begegnet.

Diese Wahrheit im Leiden Jesu zeigt uns einen Gott, der um alles Menschliche weiß.
Gott ist ehrlicher mit uns als wir mit uns selbst. Er macht sich keine Illusionen über den Menschen. Er nimmt ihn an, auch mit all dem, was Bosheit und Selbstsucht aus ihm machen. Er hat seinem Sohn das Leiden unserer Welt zugemutet. Er will diese Welt retten. Dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden.
Das ist die Spannung des Karfreitags, der wir nicht ausweichen sollten. Die Geschichte des Leides, das erschreckend Dunkle in unserem Leben und das unfassbare Handeln Gottes als Liebender.
Er bringt das Licht der Versöhnung. Lasst euch versöhnen mit Gott. Der eine der beiden anderen am Kreuz hat in der Wahrheit über sein Leben begriffen. „Ich hänge hier mit Recht und durch Recht“, sagt er, „aber Jesus nicht.“
Wir schauen auf das Bild des Menschen am Kreuz und erfahren, dass keine Schuld so groß, keine Situation so verfahren, kein Leben so verpfuscht sein kann, dass es sich nicht in diesem Kreuz wiederfindet und eben darin seine Rettung finden könnte.

Jesus versöhnt uns mit Gott. Das Leben geht weiter. Weiter mit Leid, Schmerzen, Tod, Gewalt und allem Bösen, das wir in der Welt erkennen.
In dieser Welt seid nun Botschafter an Christi statt. Botschafter der Versöhnung untereinander.

Nachdem Jesu gestorben war, erinnerten sich die Jünger daran, was Jesus antwortete als sie ihn fragten: wie und was sollen wir beten angesichts des menschlichen Elends und des Unrechts.
Er gab ihnen das Vaterunser. Ihr seid nun Kinder Gottes, nicht mehr Knechte irgendwelcher Mächte und Machthaber, selbst der Tod ist besiegt.
Jesus gab ihnen das Gebet, das alle Fesseln sprengt. Das Vaterunser, das Menschen vereint über Grenzen hinweg.

Das Vaterunser am Karfreitag beten wir vielleicht anders. Wir haben das Leid der Welt im Blick.
Unser Blick ist heute auf das Kreuz gerichtet. In unserer Auferstehungskirche hängt kein Jesus am Kreuz. Das Kreuz ist leer.
Hinter dem leeren Kreuz die große Auferstehungsszene. Nicht beim Kreuz stehen bleiben. Ja.
Dennoch das Kreuz ist mir wichtig geblieben. Das Leiden nicht überspringen, die Leidenden nicht übersehen. Kreuze werden weiter aufgestellt.

Das Licht besiegt die Finsternis, darum sollen wir beten und bitten, handeln und wirken.
Ostern ist nicht mehr fern.
Die Auferstehung, die zum Aufstand ruft gegen alle Mächte, die zum Tod führen.
Auferstehung, die Hoffnung, dass unser Leben, unser suchender Glaube nicht vergeblich ist. Das leere Kreuz ist ein Zeichen dafür. Amen.


 

Fürbitten (Vorschläge)

Gott, wir beten
Für die vielen Toten und Erkrankten am CoronaVirus und anderen Krankheiten,;
für alle, die um sie trauern oder sich um sie sorgen.
Und auch für die, die mit dem Schrecken davongekommen sind.
Wir beten für alle auf der Welt,
die mit einer neuen Angst die Haustür verlassen.
Wir beten für alle medizinischen Kräfte, die sich für die Kranken einsetzen.
Wir beten für alle Wissenschaftler, die nach einem Mittel gegen das Virus suchen.
Für Polizisten und Soldaten, die für Sicherheit sorgen sollen.
Wir beten für die Politiker, die schwere Entscheidungen zu treffen haben.

Wir beten für die vielen Menschen auf der Flucht – im eigenen Land oder unterwegs; für die Geflüchteten, die hier schon angekommen sind.
Für die vielen Freiwilligen, die sich für sie engagieren..

Wir beten für Politiker und Diplomaten auf der Suche nach Frieden
und einem anhaltenden Waffenstillstand überall. Für die Menschen auf der ganzen Welt,
die weiterhin leiden unter Krieg und Gewalt.

Wir beten für Familien, die es gemeinsam schwer haben in der Krise.
Wir beten für die Einsamen, dass sie aus der Einsamkeit herausfinden.

Wir bitten für unsere Gemeinden, dass sie das Leid und die Leidenden nicht übersehen, sondern fähig werden, mitzutragen, zu helfen und so Leid zu lindern.

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Corona-Andachts-Newsletter

Es gibt einen Corona-Andachts-Newsletter der Jubilategemeinde. Pfarrerin Silke Bartel schreibt und spricht täglich bis Pfingsten Gedanken, Gedichte, Gebete oder Lieder, die Sie per Mail erhalten können und als Audio-Datei auf der Jubilate-Homepage finden.
Melden Sie sich für den Corona-Andachts-Newsletter bei Pfarrerin Bartel per Mail an: Pfarramt.Reutlingen.Jubilatekirchedontospamme@gowaway.elkw.de