Kinder des Lichts

Predigt zum Sonntag 2.8.

Predigttext (Epheser 5, 8b-14)
Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Liebe Gemeinde!

Wie ist es Ihnen wohl ergangen beim hören des Textes? Haben Sie gedacht: Gut, heute kann ich mich beruhigt zurücklehnen, denn ich gehöre ja zu den Kindern des Lichts. Ich bin ja Christin. Ich glaube an Jesus Christus.
Oder sind Sie erschrocken, weil Sie sich in Zusammenhang mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis gesehen haben? Weil Sie vielleicht gerade in den letzten Tagen nicht besonders christlich gelebt haben? Über andere schlecht gedacht, vielleicht sogar schlecht geredet haben? Weil Ihnen vielleicht mal wieder die eigenen Sorgen über den Kopf gewachsen sind? Und Sie deshalb für andere keinen Blick hatten?

Doch wie ist das „Kinder des Lichtes“ zu sein? Immer hell und leuchtend zu sein, ständig ein leuchtendes Beispiel zu geben, nichts Finsteres in und um sich zu haben, keine dunklen Gedanken – wie soll das gehen?
Kinder des Lichts zu sein, wie könnte das aussehen?

Lesen wir im Text weiter:
„Die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“
Ein Licht wir beschrieben, das Früchte trägt, aus dem etwas herauswächst: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.
Güte – für mich hat dieses Wort zu tun mit Geduld, Gelassenheit, Vergebungsbereitschaft. Es hat damit zu tun, nicht immer auf meinen eigenen Vorteil bedacht zu sein. Güte steht somit gegen Neid, Eifersucht, Profitgier. Kann man damit in unserer Welt überleben?
Gerechtigkeit – wie oft wird von Gerechtigkeit geredet, wenn es um die Verteilung der Güter unserer Welt geht! Wenn wir auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung hoffen. Doch ohne es zu wollen, tragen wir oft selbst zur herrschenden Ungerechtigkeit bei!

Wahrheit – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. So wird vor Gericht gesprochen. Sollte eigentlich nicht so schwer sein. Und doch: Wer drückt sich nicht gerne mal um die Wahrheit herum, will manches auch einfach nicht wahrhaben, aus Angst, einen Konflikt einzugehen, vom anderen nicht mehr gemocht zu werden oder Unannehmlichkeiten auf sich zu ziehen!

Als Kinder des Lichts sollen wir leben, unser Licht auf einen Leuchter stellen, Licht der Welt sein – Das heißt doch, dass wir als Geschöpfe Gottes, als Chist*innen Verantwortung für seine Schöpfung tragen, für uns selbst tragen. Es ist unsere Aufgabe als Christinnen, dieses geschenkte Licht leuchten zu lassen und es nicht zu verstecken. Doch tun wir das nicht gar zu oft?

"Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten!" und der PT ergänzt: "denn die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit."
Schweigt nicht zu dem, was ihr um euch herum seht und hört! Nennt die Dinge, die Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit entgegenstehen, beim Namen! Verliert nicht den Blick, wo euer scharfer Blick und Verstand gebraucht wird!
„Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf!“
Gebt den unfruchtbaren Werken der Finsternis keinen Raum. Lasst euch nicht von irgendwie gearteten, dämonischen Mächten, von Angst und Hass beherrschen. Bringt diese Mächte ans Licht, nennt sie beim Namen. Und nehmt ihnen damit die Macht über uns selbst und über andere!

Sie müssen benannt werden, diese unfruchtbaren Werke, diese dunklen, dämonischen Mächte, wie Jesus bei seinen Heilungen die Dämonen ohne Angst beim Namen genannt und ihnen damit ihre Macht über den Menschen genommen hat.
Dazu gehört Mut und Vertrauen, Vertrauen darauf, dass ich nicht die einzige bin, die versucht, Licht in eine dunkle Sache zu bringen, nicht die einzige, die etwas ans Licht bringt. Und dazu gehört das Vertrauen, dass es das Licht Gottes ist, das da scheint und weiter scheinen soll.

Oft bringe ich diesen Mut leider nicht auf. Ich bewege mich lieber im Halbschatten, im Zwielicht, das alle Konturen gut verschleiert. Im Zwielicht, in dem ich immer sagen kann, ich habe nicht richtig sehen können. Das Licht war so schlecht.

Doch genau damit verletzte ich – wir – die Früchte des Lichts, nämlich Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit! Wie kann ich gütig sein, wenn ich mich an der Wahrheit vorbeistehle? Wie gerecht sein, wenn ich nicht den Mut habe, Ungerechtigkeiten beim Namen zu nennen?
„Ihr seid das Licht der Welt! … Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten!“
Ich denke, liebe Gemeinde, dass wir als christliche Gemeinde schon bei den kleinen Dingen des Alltags – oder gerade bei den kleinen Dingen des Alltags – aufgefordert sind, unser Licht leuchten zu lassen

Ein kleiner Ärger unter Freunden, Missverständnisse, Fehlverhalten – wenn mich etwas stört, so sollte das ans Licht gebracht werden, damit Freundschaft nicht über all dem Ungesagten im Finstern entschwindet. Wahrheit muss nicht immer unangenehm sein, es kann auch befreiend sein, über Missverständnisse zu reden, um wieder Licht ins Dunkel zu bringen. Ein ehrliches, aufrichtiges Verhalten untereinander fördert Bekanntschaften und Freundschaften mehr, als dass sie dadurch zerstört werden.

Und was so im Alltag gelten soll und gilt, dass gilt besonders im Blick auf Gottes Schöpfung! Nicht den Blick zu verlieren, an welchen Stellen, Orten, bei welchen Gelegenheiten die Schöpfung verfinstert wird! Und darüber wissen wir alle Bescheid, da brauche ich nichts dazu zu sagen! Denn gerade als Christinnen haben wir kein Recht zuzulassen, dass Gottes Schöpfung oft derart mit Füßen getreten wird und unsere Lebensgrundlage zerstört wird!

"Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten!" Gott, in dem nichts Finsteres ist, hat uns sein Licht geschenkt, wie es beim Psalmbeter heißt: "Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht."
Und wir sollen dieses Licht leuchten lassen, wir sollen uns durchsichtig machen, damit es durch uns leuchten kann. Wir können, wir sollen dazu beitragen, dass dieses Licht sich ausbreitet.
Gott hat uns in Jesus Christus gezeigt, wie er das meint: Jesus ist Christus, er ist das Licht der Welt, er ist Gottes Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Eine Gerechtigkeit, die nichts zu tun hat mit juristischer Gerechtigkeit, sondern mit Gottes Gerechtigkeit. Eine Gerechtigkeit, die mit dem Gebot der Nächstenliebe in Verbindung steht. Eine Gerechtigkeit, die die Menschen nicht nach ihrem äußeren beurteilt, sondern die tiefer sieht. Eine Gerechtigkeit, die sich nicht von den Vorurteilen der Menschen übereinander beeinflussen lässt. Eine Gerechtigkeit, die eben nicht zulässt, dass Menschen sich untereinander in Kinder des Lichts und Kinder der Finsternis, in Sünder und Gerechte, einteilen. Denn diese Einteilung in Bessere oder Schlechtere steht allein dem liebenden Gott zu. Er richtet allein und ruft uns dazu auf, uns nicht gegenseitig zu richten, sondern uns einzusetzen für die Ausbreitung seines Lichtes. Dieses göttliche Licht ist uns geschenkt, wir tragen dafür Verantwortung, dass es in unserer Welt nicht untergeht, sondern immer heller wird.
„Lasst Gottes Licht durch euch scheinen in der Welt, dass sie den Weg zu ihm findet und sie mit euch jeden Tag Gott lobt und preist. Halleluja!“ Amen

Pfarrerin Ursula Heller
 

Wochenspruch

"Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit." (Epheser 5,8b.9)
 

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