Konfirmation 2020

Predigt zum Sonntag 2.8.

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,                       

es wird dunkel. Ich mache mich mit anderen auf in die Nacht. Sterne leuchten über uns, aber wir suchen den einen, den Kometen Neowise. Mist, da sind Wolken vor, nichts zu sehen. Aber wunderschön der Nachthimmel über uns mit den vielen Sternen. Morgen wieder. Tatsächlich in der nächsten Nacht, wolkenfrei. Wir sehen ihn. Wir fotografieren ihn. Tolles Foto. Nur alle 6-7 Tausend Jahre ist er zu sehen.

Tolle Fotos gibt es auch heute von Euch. Und überhaupt finde ich Eure Konfirmation wichtiger und bedeutender als diesen Kometen am Himmel. Eure Konfirmation ist einmalig. Trotz aller Zweifel und Portionen Unglauben, sagt Ihr Ja zu einem Weg mit Gott, zum Glauben und zur Kirche.

Zweifel sind da. Ihr habt sie benannt. Kann das noch gelten, was vor tausenden Jahren galt? Uralt dieser Glaube. Steinalt, lebloses Relikt. Schön aber unbedeutend wie der Komet, ein Gesteinsbrocken, der 100 Millionen Kilometer an der Erde vorzieht.

Gott zog an der Erde nicht vorbei. Jesus landete auf der Erde. Der Weihnachtsstern war vielleicht ein Komet. Die Botschaft wurde geboren. Jesus war in der Welt, mitten unter den Menschen. Er raste nicht vorbei. Er hinterließ Spuren. Was er sagte war ungewöhnlich. Ihr habt gehört, aber ich sage Euch: Frieden ist wichtiger als Krieg. Ein Armer ist so viel wert wie ein Reicher. Ein Kind klüger als ein Kluger. Jesus sagte, das Reich Gottes, der Frieden, die Gerechtigkeit – das ist nahe. Ihr müsst es nur ergreifen. Es ist viel mehr möglich las ihr seht und erlebt. Aber viele Menschen damals wie heute zweifeln.

Es geschieht Schlechtes, wie die Corona Virus Ausbreitung. Menschen sterben unheilbar. Das bringt auch Euch und uns ins Grübeln.

Corona erschreckt uns. Wie kann das Virus bekämpft werden? Ich las von einer tollen Idee. Alle schlafen 14 Tage in ihren Häuser, in den eigenen Betten, dann ist Corona besiegt. So was Ähnliches habe ich schon mal gehört, wenn alle Millionen Christen sich an die Gebote hielten, dann wäre der Welt geholfen. Im Judentum heißt es, wenn alle den Sabbat einhalten, dann kommt das Reich Gottes. Wenn alle, dann… das hört man oft.  Aber es geht nicht, Eigentlich schade. Aber „alle“ das funktioniert nicht. Schon zwei Menschen können manchmal nicht den Frieden halten. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Wir müssen den Kampf aufnehmen gegen Unrecht, Kinderarbeit. Umweltverschmutzung und falsche Tierzucht. Wofür Ihr Euch einsetzen wollt.

Es gibt große Erwartungen an Eure Generation. Die Generation Corona, die hoffentlich mehr zu bieten hat als Gewalt und Randale im Rausch.

Unsere Generation, wir Älteren, lädt Eurer Generation einen schweren Rucksack.  Der Klimawandel mit drohenden Katastrophen, das Teilen des Wohlstands mit den Geflüchteten, die drohende Überwachung, die schlimme Ausmaße annehmen kann, Seuchen, … Dazu kommen für Euch manche persönlichen Katastrophen, denn es ist nicht einfach erwachsen zu werden und seinen eigenen Weg zu finden.
In allem sollt Ihr die Hoffnung bewahren und wir wollen Euch Mut machen.  

Wenn ich auf Eure Denksprüche schaue. Sie machen Mut, schaffen Vertrauen. „Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht. Denn ich bin mit dir und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden!“ „Vertraue Gott, deine Pläne an, er wird dir ihr Gelingen schenken.“ Und überhaupt: Jesus sagt: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“

Das sind alles gute ermutigende Worte. Mit ihnen lässt sich viel bewältigen. Eine über 90- jährige Frau aus unserer Gemeinde hatte so viel erlebt und erlitten, Krieg, Flucht, Armut, dennoch sagt sie: „Gott hat mich behütet. Er war mit mir.“ Gelassen kann sie sterben.

Solchen Glauben wünsche ich euch und uns. Habt Mut, im Gepäck habt ihr die guten Worte. „Hört aber nicht nur das Wort an, setzt es in die Tat um!“, sagt ein Denkspruch. Vertraut neuen Wegen. Verlasst viele alte Wege. Sie taugen nicht für die Zukunft. In der neuen Jugendstudie sind für viele Jugendliche anderes als Geld, tolle Autos und Erfolg wichtig. Das hat mich gefreut. Das lässt hoffen.

Ihr werdet konfirmiert im Jahr des Kometen, Neowise heißt er, grob übersetzt – neu klug, ja werdet neu klug in Eurem Leben. Von neuem klug werden, umdenken.

Der Komet ist schön. Ihn zu sehen, ist etwas Besonderes, aber ihr seid nicht nur heute wichtiger. Ihr seid da, angekommen unter uns. Euer Ja zu Gott ist schöner. Ihr seid hier mit uns. Der Komet rast vorbei, verschwindet aus dem Blickfeld.    

Wir wünschen Euch, dass Ihr Spuren hinterlassen könnt in Eurem Leben, Spuren des Friedens und der Liebe. Fühlt Euch von Gott angenommen. Ihm könnt ihr vertrauen.  Amen.                      
         
Pfr. Bernd Küster