Nicht Furcht, sondern Besonnenheit

Gerade befinde ich mich in einer Situation, in der ich Abschied nehmen muss von einer Hoffnung, die mich Jahre lang genährt hat, mir ein Geländer für den Alltag gegeben hat, mein Leben bestimmt und auch bereichert hat. Solch ein Abschied tut weh und ist nicht von heute auf morgen zu bewältigen. Vieles, was bisher gut und richtig erschien, bekommt einen seltsamen Geschmack. Eine Situation, eine Stimmungslage, die sicher viele Menschen kennen und durchlebt haben oder sich vielleicht noch darin befinden.

Und dann bricht noch der Corona-Virus über unsere Gesellschaft herein, der eine Situation hervorruft, die in eine ähnliche Richtung geht. Unsere Alltagsstrukturen brechen weg. Begegnungen, die uns wichtig sind, können gerade nicht stattfinden. Umarmungen, die so tröstend und hilfreich sein können, sind nur noch in Gedanken, nicht aber real möglich. Ich sehe mich mit Fragen konfrontiert, die von mir angeschaut und beantwortet werden wollen. Was ist wichtig für mich im Leben? Auf was kann ich verzichten, auf was will ich aber nicht verzichten? Was ist für mich notwendig zum Leben? Und das ist sicher nicht das Klopapier, das in allen Regalen der Supermärkte ständig ausgeht!

Viele Menschen bangen zur Zeit um ihre Existenz. Beruflich, aber sicher auch ums reale Überleben. Was passiert, wenn der Virus mich befällt und ich ihm nicht genug Widerstandskräfte entgegensetzen kann?

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Einer meiner Lieblingsverse aus der Bibel gibt mir Kraft und Mut, in persönlichen, aber auch in gesellschaftlichen Krisenzeiten nicht in Teilnahmslosigkeit und Mutlosigkeit zu verfallen, sondern mit Besonnenheit zu schauen, was mir, was uns Menschen möglich ist. Da steht nicht Egoismus an erster Stelle, sondern Rücksichtnahme, Solidarität und Hinschauen, wo ich selbst unterstützend wirken kann. Vielleicht schenkt uns diese Zeit die Möglichkeit, in uns hineinzuhören, unsere eigenen existenziellen Bedürfnisse wahrzunehmen, um dann auch einen offeneren Blick für die Nöte meines Gegenübers zu haben. Hinzuschauen, dass ich selbst trotz Einschränkungen mich in einer komfortablen Lage befinde, der Mensch neben mir aber um seine Gesundheit und seine Existenz fürchtet. Und sich trotz allem an dem beginnenden Frühlingserwachen zu freuen und daraus Mut und Kraft zu schöpfen.  

Wenn dennoch der Mut, die Kraft und die Zuversicht oder auch nur eines von den dreien Sie verlässt, dann bleiben Sie besonnen und rufen Sie an. Pfarrer Küster (32 93 30) und ich, Pfarrerin Heller (33 44 37) werden versuchen, für Sie da zu sein. Es ist dann kein Gespräch von Angesicht zu Angesicht, aber auch am Telefon lässt sich gemeinsam so mancher Weg aufzeigen, der einem selbst nicht mehr sichtbar ist.

Pfarrerin Ursula Heller