Nur wer sich ändert, bleibt sich treu

Dieser Satz stammt aus einem Lied von Wolf Biermann. Veränderungen bestimmen unser äußeres und inneres Leben. Veränderungen verunsichern.

Menschen werden älter, ihr äußeres Erscheinungsbild verändert sich. Falten zieren das Gesicht, die Haarfarbe ist nicht mehr die alte, alles ist nicht mehr so glatt, eben und makellos. Immer mehr körperliche Einschränkungen machen sich bemerkbar. Die Leistungsfähigkeit lässt nach. Nicht einfach, diese Veränderungen immer zu akzeptieren, da sie gesellschaftlich auch nicht aufgefangen werden!
Veränderungen rütteln auf, machen nachdenklich und unruhig. Menschen verändern ihren Wohnort. Ein Berufswechsel zwingt manchmal zu räumlicher Veränderung. Eine neue Bekanntschaft kann einen Ortswechsel zur Folge haben. Doch noch viel schwerwiegender sind die inneren Veränderungen, die das Leben den Menschen abverlangt. Die Kinder gehen aus dem Haus, der Verlust des Lebenspartners oder der Lebenspartnerin. Stellen werden gestrichen, was zu Veränderungen am Arbeitsplatz führen kann. Veränderungen machen Angst, weil sie uns Menschen in neue, unbekannte und unplanbare Situationen und Ereignisse werfen.

Bisher Gewohntes muss neu betrachtet, aus einer anderen Perspektive wahrgenommen werden. Veränderungen fordern heraus, beweglich zu bleiben und sich immer wieder neu dem Leben zu stellen. „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“ Wolf Biermann hat in seinem Lied diese Angst vor Veränderungen positiv gewendet. Ein bedenkenswerter Satz, da wir Menschen oft so unflexibel sind, weil wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist. Wie mutmachend, dann zu hören, dass, nur wer sich ändert, sich auch treu bleibt! Dass es zum Leben dazugehört, sich zu verändern und damit den äußeren und inneren Veränderungen nicht mit Angst und Unwohlsein zu begegnen, sondern sie fröhlich anzunehmen und mit ihnen das Leben neu zu gestalten. Ein Blick in die Natur hilft dabei ungemein.

Die wunderschöne Apfelblüte verändert sich zum lebensspendenden Apfel! Weshalb also diese Scheu vor Veränderung? Was kann schon passieren, außer dass neue Erfahrungen unser Leben bereichern?

Das Leben siegen lassen. Nicht das ängstliche Festhalten am Gewohnten, sondern den fröhlichen und zuversichtlichen Blick auf sich Veränderndes und Neues wagen, und sich dabei selbst treu bleiben - was meinen Sie?

Pfarrerin Ursula Heller