Ostersonntag: Auferstehung

Liebe Gemeinde,
was für ein Osterfest. Ein tolles Wetter. Im Garten sind die ersten Apfelblüten aufgegangen. Die bunten Tulpen leuchten im satten Grün. Neues Leben erwacht.
Und wir können uns nicht versammeln als Gemeinde. Wir können uns nicht die Hand reichen und einen Ostergruß zu sprechen. Wir können manches nicht in diesen Tagen. Wir tun das, um uns gegenseitig zu schützen.

Eine erste „Corona-Tote“ habe ich diese Woche beerdigt. Die Gefahr ist da.
Es fällt uns schwer, auf die Enkel zu verzichten. Wie gerne würde ich Ostereier für sie verstecken. Ihr freudiges Lachen und ihr zorniges Schreien würde ich gern hören.
Ich muss mich bescheiden, denn was ist mit denen, die keinen Partner, keine Enkel oder Kinder haben.
Ich mache die Erfahrung, wer in den Tagen davor nicht einsam war, bleibt es auch jetzt nicht. Die Einsamen aber bleiben einsam. Wie können sie ihre Einsamkeit überwinden? Brauchen sie Hilfe? Mitchristen sind bereit zu helfen.
Viele Ältere haben andere und ich in den letzten Tagen angerufen. Es war erfreulich, wie viele Hilfe haben durch Verwandte und Nachbarn. Wer in diesen Tagen Hilfe braucht und sucht, findet sie.     
 
Zurzeit schaue ich abends etwas mehr Filme als sonst. Das hat nun auch seinen Niederschlag in meiner Predigt gefunden.   
 
Am Ostermorgen gibt es ein gemeinsames Frühstücken per Video. Das finden Sie im Newsletter und auf der homepage unserer Gemeinde.
 
Frohe Ostern
und eine gute gesegnete Zeit
 
Vergessen Sie das Lachen an Ostern nicht:
 

Osterlachen

Eine klitze kleine Ostergeschichte: Vom Hupfinger Alois ist eine Todesanzeige erschienen. Er lebt aber noch und ruft seinen Freund an: „Hast du meine Todesanzeige gelesen?“ – „Freilich“, antwortet der Freund, „von wo rufst du denn an?“
 
Josef von Arimatäa und Nikodemus begegnen sich auf dem Weg zum Tempel in Jerusalem. Nikodemus ist sehr verärgert und schimpft: «Wie konntest du diesem Galiläer nur ein eigenes Grab zur Verfügung stellen – eine Schande ist das!» «Ach», erwidert Josef gelassen, «reg dich nicht auf. Es ist ja nur für ein Wochenende.»
Wenn das nur die drei Frauen gewusst hätten.
 
Osterlachen: In einem Pfarrerseminar:
„Würden die Christen erlöster aussehen, dann würden auch mehr Menschen an die Erlösung glauben“, sagte einst Nietzsche. Ein Seminarleiter erklärte den angehenden Geistlichen: „Wenn Ihr vom Himmel predigt, lasst Euer Gesicht strahlen. Wenn Ihr von der Hölle predigt, genügt Euer normales Aussehen.“ 
 
Ihr Pfr. Bernd Küster
 
 
 

Predigt zu Ostersonntag

Der Apostel Paulus hat es schwer. Alle dachten Jesus kommt bald wieder und der große Frieden bricht an. Es kam anders wie wir wissen. Ihm und seinen Mitgläubigen stellte sich aber nun die Frage, was ist mit den schon gestorben sind.
 
Predigttext  Korinther 15,12-18.19-28
Wenn Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferweckt ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen.

Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden.Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; dann sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. Denn er muss herrschen, bis Gott „alle Feinde unter seine Füße gelegt hat“ (Psalm 110,1).

Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn „alles hat er unter seine Füße getan“ (Psalm 8,7).

Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.

Liebe Gemeinde,
Alles schreit nach Auferstehung, fühlte ich nach dem Zweiteiler „Der Überläufer“ im Fernsehen. Gedreht wurde der Film nach einem Roman von Siegfried Lenz. Er nahm mich emotional mit, verfolgte mich im Schlaf. Alles schreit nach Auferstehung.

Die Hauptperson ist ein junger Soldat. Im Krieg verliebt er sich in eine polnische Partisanin. Er erschießt ihren Bruder als dieser bei einer eher zufälligen Begegnung im Wald die Waffe auf ihn richtet. Sie erfährt das. Ihr Vater überlässt ihr die Entscheidung über das Leben des Soldaten. Sie liebt ihn. Sie schießt vorbei. Er kann fliehen. Der Soldat landet schließlich bei der russischen Armee. Er bringt deutsche Verteidiger dazu, aufzugeben. Ob sie nicht doch erschossen werden, weiß er nicht. Er kommt mit der russischen Armee auf seinen elterlichen Hof. Zunächst geht er allein mit seinem Freund. Alles ist ruhig. In die Stille knallen Schüsse. Sie verteidigen sich. Er erschießt seinen Schwager. Seine Schwester überlebt. Er schweigt ihr gegenüber über den Tod des Schwagers. Er trifft seine geliebte Partisanin wieder. Ihre Liebe ist groß. Offenbar kann sie ihm verzeihen, denn auch sie ist schuldig geworden. Sie hat Blut an den Händen.

Eine einzige Szene in einer Kirche. Ein Soldat schmeißt einen dicken Fisch auf den Gekreuzigten. „Wo bist du Gott? Was kannst Du?“, schreit er  in die Kirche zum Gekreuzigten.
 
Alles schreit nach Auferstehung. Jesus, der junge Mann am Kreuz gestorben. Wie gerne hätten seine Mutter und alle, die ihn liebten das ungeschehen gemacht. Dieses grausame Treiben. Das Leiden des Unschuldigen. In die Fänge der Mächtigen war er geraten.

Und nun feiern wir Ostern. Das Fest des Lebens. Das Unglaubliche ist geschehen. Jesus ist auferstanden, nach zwei Tagen am dritten Tag. Er ist wieder da. Auferstehung mitten im Leben. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ sprach der Bote Gottes.

Wird nun alles wieder wie es war? Alles wieder beim Alten? So wie wir hoffen, das nächstes Jahr alles wieder wird wie es war, wie vor Corona. Nein, so war es nicht. Maria hätte ihn gern umarmt. Sie hätte ihn gerne wieder in die Arme genommen.  Ihr sehnlicher Wunsch, ihn zu berühren, wieder mit ihm lachen, feiern, tanzen. Ihm ganz nahe sein. Aber es ist nicht wie vorher. „Berühre mich nicht!! – Noli me tangere!“ hört sie ihn nach dem Johannesevangelium sagen. Es ist nicht mehr wie früher. Die Toten bleiben tot, ja. Aber es ist jetzt anders. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das Leben siegt. Die Liebe ist stärker.

Die Hoffnung der Auferstehung ist neu geboren. Sie war schon immer da, denn alles schreit nach Auferstehung. Alles kennt den Wunsch, dass der Tod nicht das Letzte ist. Alle flehen, dass unschuldig Gestorbene nicht sinnlos verloren sind. Die Schöpfung sehnt sich nach Erlösung. Im Film kommt diese Hoffnung nicht vor, aber er schreit danach. Die geliebten Toten mögen nicht im Tod bleiben. Die Schuld des Soldaten wäre unerträglich ohne diese Hoffnung. Wie anders kann diese Liebe gelebt werden, wenn nicht Schuld verziehen werden kann. Wenn Gott nach den Taten richten würde, dann blieben alle tot.

So aber hat Gott ein Zeichen an Ostern gesetzt. Leben bleibt möglich trotz aller Gewalt an der Schöpfung und der Menschen untereinander. Liebe ist möglich auch in Zeiten des Krieges und der aufgeladenen Schuld. Knospen brechen auf in der Klimakrise. Heilung geschieht in der Coronakrise.
 
Noch bleibt uns Zeit für den Aufstand für das Leben. Noch haben wir Zeit zum Aufstehen mitten im Leben für ein gerechtes und friedliches Miteinander. Es muss nicht alles beim Alten bleiben. Nichts Ungerechtes muss bleiben und sein wie früher.  
 
Mit der Hoffnung auf die Auferstehung gewinnen wir eine neue Freiheit aus Liebe zu handeln, auch wenn wir schuldig werden.
Wir beerdigen unsere Toten in Trauer, aber nicht ohne Hoffnung.
 
Wir feiern Ostern in der Krise, in der wir uns nicht wie sonst berühren und nahekommen können. Gott schenke uns Gemeinschaft im Geiste und die Zuversicht, dass das Leben siegt.   
Gott schenke uns seinen Frieden. Bleiben Sie wohlbehalten.

Amen.
 
Pfr. Bernd Küster       

 
Tageslosung: Siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60,2)
 
Wochenspruch: Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)
 

Liedvorschläge

Christ lag in Todesbanden (EG 101)
Er ist erstanden (EG 116)
Wo einer dem andern neu vertraut (EG 551)
Wir stehen im Morgen (Wwdl+ 219)
www.lieder-vom-glauben.de
 
 

Schriftlesung: Jesu Auferstehung

Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.

Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.

Und sie gedachten an seine Worte. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen andern Jüngern. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. (Lukas 24, 1-11)