Wege zum Licht

„Mehr Licht“ – das soll schon Goethe gesagt haben, als er auf dem Sterbebett lag! Und Diogenes in der Tonne sagte zum König Alexander auf die Frage, was er für einen Wunsch hätte: Geh mir bitte aus der Sonne! Licht – was wäre unser Leben ohne Licht! Im Dunkeln ist es immer wieder schwierig, sich zu orientieren. Dunkelheit macht Angst. Kinder brauchen zum Einschlafen ein Nachtlicht, damit sie getrost die Augen schließen können. Aus dem Dunkeln droht Gefahr!

Und wie viele Dunkelheiten umgeben uns immer wieder in unserem Leben, in denen wir regelrecht nach mehr Licht schreien! In denen uns die Orientierung für unser Leben verloren geht. Wie erleichternd, nach einer langen Phase der Dunkelheit am Ende des Weges wieder ein Licht zu sehen und sei es auch noch so klein.

Wie schön, dass in der Katharinenkirche nach einer Bauphase nun helleres, wärmeres und strahlenderes Licht installiert wurde. Mit mehr Licht erkennen wir auch besser unser Gegenüber, können ihm oder ihr in die Augen schauen und vielleicht sogar die Augenfarbe erkennen. Wir können erkennen – wenn wir das wollen – was sich in den Augen des Gegenübers ausdrückt: Kummer und Sorgen, Freude und Fröhlichkeit, Trauer und Tränen.

In der Adventszeit bietet die Katharinenkirche einen Raum, in dem die eigenen Wege zum Licht gesucht werden können, unterstützt mit Musik und Stille, je nachdem, wie es der Einzelne gerade für sich nötig hat. Im Advent einmal nicht ins grelle Licht der Kaufhäuser zu rennen, sondern diese Zeit zu nutzen, sich selbst neu zu entdecken, viel Alltägliches in einem neuen Licht zu sehen und Menschen, die im Dunkeln leben, mit Licht und Leben zu beschenken. Welch eine Chance, die Botschaft von Weihnachten zu beleuchten!

Pfarrerin Ursula Heller