Siehe er ist bei dir – immer

Predigt zum 18. April 2021 von Pfarrer Patrick Mauser

Predigttext: Die Kosten der Nachfolge (Lk 9, 57-62)
Als sie weitergingen, wurde Jesus von einem Mann angesprochen. »Ich will dir folgen, wohin du auch gehst«, sagte er. Jesus erwiderte: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann.«
Zu einem anderen sagte Jesus: »Folge mir nach!« Er aber antwortete: »Herr, erlaube mir, zuerst noch ´nach Hause` zu gehen und mich um das Begräbnis meines Vaters zu kümmern.« Jesus erwiderte: »Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber geh und verkünde die Botschaft vom Reich Gottes!«
Wieder ein anderer sagte: »Ich will dir nachfolgen, Herr; doch erlaube mir, dass ich zuerst noch von meiner Familie Abschied nehme.« Jesus erwiderte: »Wer die Hand an den Pflug legt und dann zurückschaut, ist nicht brauchbar für das Reich Gottes.«


Liebe Leserinnen und Leser,

was soll man sagen? Selten begegnet einem Jesus so fremd und schroff. Da kommt einer und sagt: „Ich will mit dir gehen, wohin du auch gehst“. Und er sagt: sogar die Tiere haben eine feste Wohnung…aber er hat einen Auftrag, der ihn nicht auf der Erde bleiben lässt.

Zu einem zweiten, da sagt diesmal Jesus: „Folge mir nach!“ Er will, aber er hat wahrscheinlich einen kranken Angehörigen zu Hause, oder eben einen schon verstorbenen. Er kann nicht weg, er will doch nur das noch machen – Nein, die Botschaft Jesu ist wichtiger. Echt? Wichtiger als das? Und dann kommt der dritte: „Ich will dir nachfolgen!“

Er macht genau das, was Jesus immer fordert. Und er will doch nur kurz der Familie Lebewohl sagen, wer soll denn da was dagegen haben? Und Jesus sagt dann den berühmten Satz: »Wer die Hand an den Pflug legt und dann zurückschaut, ist nicht brauchbar für das Reich Gottes.«

Wer woanders hinschaut als nach vorne, auf das Ziel, dass Jesus festgelegt hat, der macht schiefe Furchen – das kennt man auch vom geradeauslaufen – wenn man den Kopf dreht, dann kommt man vom Weg ab – also: Dreimal ganz deutlich und klar und gaaanz dringend will Jesus es allen sagen:  Keine halben Sachen bei mir! Und er sagt es so überspitzt, dass man es sich fast schon merken MUSS – und darum ist es so fremd und fast schon erschütternd!

Was der sich da erlaubt – er hat doch etwas Gutes getan, oder? Jesus ist doch ein Guter und sein Ziel ist doch ein Gutes, oder?

Was ist denn sein Ziel, sein Auftrag? Er ist für die Menschen auf die Welt gekommen – für die Kranken, für die Ausgestoßenen, für die, die in kein Raster passen und für jene, die scheinbar alles super hinbekommen, aber auch immer mal wieder jemanden brauchen – kurz um: für alle ist er auf die Welt gekommen. Er kam um Vorbild zu sein, tätig zu werden und natürlich: um von Gott zu erzählen, die Menschen zu ihm zu führen und zum Schluss: Sein Leben zu lassen und damit alles zu vernichten, was zwischen Gott und Menschen stehen könnte – nämlich, dass wir nicht anders können, als fehlbar zu sein und schlechte Entscheidungen zu treffen – das alles nimmt Jesus von uns.

Was für ein Ziel! Da konnte er auch keine Ablenkung zulassen, denn es war eine so unglaublich wichtige Mission für uns.

Totales Commitment, das kann auch nicht jeder. Und darum so deutlich: Mein Ziel ist wichtig! Daher muss ich alles geben!

Ist das jetzt abgefahren? Abgehoben? Schräg? Kann man denken, aber dann hatte man noch nie etwas im Leben erfahren, dass einem richtig wichtig ist. Da kann man schon mal drastische Formulierungen verwenden!

Wenn du jemand gefunden hast, mit dem du dein Leben verbringen willst und bei der Trauung gefragt wirst: „Willst du mit ihm/ihr nach Gottes Gebot und Verheißung leben, ihn/sie als Gottes Gabe lieben und ehren und ihm/ihr in Freud und Leid treu bleiben, bis der Tod euch scheidet?“ Da hast du ohne bestimmt ohne einen Moment des Zögerns, „Ja, ich will“ geantwortet. Das ist ja ein Versprechen, das ist auch nicht ohne, wenn man das genau bedenkt. Das ist ein großes Versprechen.

Drastische Worte für manche heute, die sagen, man kann sich doch nicht ein Leben lang treu bleiben!
Aber stellen wir uns vor, man würde da folgendes gefragt werden: „Willst du es mit deiner Frau mindestens bis Jahresende aushalten? Am besten aber noch wenigstens zwei Jahre? Dann antworte: JA, ich will…“ Das kann man doch in der Pfeife rauchen! Was ist so ein laues Versprechen wert? Commitment ist auch Risiko, weil es sich etwas traut – auch Drastisches!

Und wenn man an alle Eltern denkt: da wird es zum ersten Mal im Leben vielleicht wirklich wahrhaftig einen Satz wie diesen auszusprechen: „Ich würde alles für Dich tun, wenn es drauf ankommt!“
Diese drastischen Worte verändern doch so unglaublich viel. Z.B. eine Trauung, das Gelöbnis füreinander, die Geburt eines Kindes, sie verändern doch eine ganze Welt. Damit gibt man alles. Volle Power für ein Ziel, für eine Familie, für Freundinnen, für eine Sache. Selbst, wenn Sie scheitern kann, ist man doch voll dabei!

TOTAL COMMITEMENT. Klar, dass Jesus sagt, wer sich ablenken lässt, vernachlässigt sein Ziel. Wer voll für eine Sache brennt, kann das doch unterschreiben.

Liebe Gemeinde,

ihr seht, „drastische Worte“ finden auch wir für das, was uns ganz dicht und nah am Herzen liegt. Manchmal braucht es auch drastische Worte unter lieben Menschen oder in der Gesellschaft um wieder alle einzuspuren.

Wir erleben drastische Zeiten und drastische Maßnahmen zurzeit.

Aber wir müssen uns da auch sagen, sie sind drastisch, der Menschen wegen.

Wegen unserer Lieben und wegen denen, die wir gar nicht kennen, aber die unsere Nächsten sind.
Und damit liegen wir wieder genau dabei, was Jesus Auftrag war und ist: die Menschen! Sie liegen Gott am Herzen. „Ihr seid teuer erkauft“, schreibt der Apostel Paulus im Korintherbrief zweimal. Jesus ging übers Äußerste hinaus für uns: ans Kreuz, ins Grab - und er ist auferstanden! Für uns, als Zeichen und Beweis für Gottes Liebe. In diese Liebe hinein taufen wir zum Beispiel. Damit haben wir etwas gemacht, was Jesus uns befohlen hat, kurz bevor er an Himmelfahrt zurück zum Vater ging. Seine letzten Worte für uns: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich Euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“

Das sind wieder drastische Worte…mit denen hat es Jesus halt. Was wäre, wenn er gesagt hätte „also Ciao, ich bin dann mal weg“.

Was vor allem wichtig ist: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage,  bis ans Ende der Welt“ – das ist doch mal drastisch – aber wir erinnern uns, drastische Worte können wichtiges ausdrücken – wofür unser Herz schlägt…und genauso wie drastisch Worte verletzen können oder drastische Statements vom RKI oder der MPK einen niederdrücken können, so können drastische Worte, wie die von Jesus auch Mut machen.

Für drastische Zeiten wie diese, lasst sie euch alle nochmal gesagt sein: Siehe er ist bei dir – immer.
AMEN!

Pfarrer Patrick Mauser
 

 

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