So schön ist Auferstehung!

Predigt zum Sonntag 3.5.

Eingangsgebet

Gott, wir sind müde geworden, vergesslich, zerstreut. Wir erwarten wenig von dir. Bist du auch unser müde? Hast du genug von uns? Wir machen große Worte, doch holen wir sie nicht ein. Du gibst Grund zum Staunen, doch oft lassen uns deine Wunder kalt, dein Wort prallt ab. Wir bekennen, dass wir dein Entgegenkommen nötig haben, deine Geduld und deine Kraft, uns neu aufzurichten.
Gott, ohne deinen belebenden Geist bleiben wir matt und müde, lustlos und unaufmerksam; ohne dein Entgegenkommen geht uns schnell die Freude an deinem Osterfest verloren.
Wir brauchen den Hauch deiner Geisteskraft. Bringe dich uns in Erinnerung! Entlaste uns! Darum bitten wir dich:
 
Gott, neue Kraft schenkst du aus. Du hältst uns, wenn wir stolpern, du löst die Zunge, wenn wir stottern; du bist wach, wenn wir schlafen. Jetzt lenkst du unsere Gedanken in die Höhe. Gib uns den Mut, singend über uns hinauszugehen und dich selbstvergessen zu loben:
 
Gott, wie neugeboren dürfen wir sein durch die Feier deines Osterfestes. Im Licht dieses Tages können wir leben und feiern. Rede uns zu Herzen! Wir wären stumm, wenn du nicht zu uns sprechen würdest. Wir blieben untröstlich, wenn du diese Stimmung nicht heilsam unterbrechen würdest. Wir wären taub, wenn du dir nicht Zugang zu uns verschaffen würdest. Wir wären so müde, unsere Seele so ausgelaugt, unser Herz so erwartungsarm, wenn du uns nicht belebst.
Spricht nun zu uns und mache uns neu, lass uns deiner österlichen Macht trauen. Belebe uns durch deinen Geist. Amen
 
========
Liebe Gemeinde!
Ermüdend und anstrengend ist diese Zeit, in der wir gerade leben. So empfinde ich das jedenfalls. Verordnungen, Vorgaben, Gesetzte, die bei Übertretung geahndet werden, all das gefällt mir nicht und dennoch will ich mich daranhalten, mich damit arrangieren.
Und dabei hilft mir, mich zu erinnern, dass Ostern gerade mal drei Wochen vorbei ist. Ich erinnere mich an eine wunderschöne Auferstehungsgeschichte, weil ich denke, dass diese Geschichte Mut machen kann in einer Zeit, in der uns die Auferstehungshoffnung aus dem Blick zu geraten droht.
 
Ganz leise ist die Geschichte, etwas wehmütig, und sehr persönlich, fast intim. Es ist ja immer Auferstehungsgeschichte, wenn Menschen einander persönlich wahrnehmen, beachten und aufeinander achten, einander Leben geben - Freunde oder ganz fremde Menschen; Eltern und Kinder; Familien. Und das ist alles auch auf Abstand möglich.
 
In dieser Auferstehungsgeschichte bei Johannes ist Jesus längst auferweckt. Es sind schon ein paar Tage vergangen seit jenem denkwürdigem Ostermorgen in Jerusalem, wo Gott gehandelt hat, ohne irgendeinen Menschen zu fragen.
Alle sind wieder ins fast normale Leben zurückgekehrt. Alle versuchen, in Liebe und Freundlichkeit beieinander zu sein, um ihre Furcht vor der manchmal dunklen und manchmal schweren Welt überwinden zu können.
 
Nur einer, einer muss noch geweckt werden aus seiner Erstarrung. Einer muss noch aufstehen können aus seiner furchtbaren Schuld, die jedes Weiterleben eigentlich unmöglich macht. Denn ein Leben mit Schuld macht ein Weiterleben fast unmöglich. Einem muss noch vergeben werden, was eigentlich als unverzeihlich gilt. Denn es ist unverzeihlich, einen Freund zu verleugnen, und das gleich dreimal. Möglichst oft muss ihm vergeben werden, möglichst gleich dreimal.
Und selbst das vermag die Liebe.
 
Als sie nun das Mahl miteinander gehalten hatten, erzählt uns Johannes, spricht Jesus zu Simon Petrus:
Johannes 21,15-19
15 Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! 16 Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! 17 Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! 18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst. 19 Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!
 
So schön ist Auferstehung. Ein Mensch wird geweckt und herausgelöst aus seiner Erstarrung; wird aus seiner Schuld heraus ins Leben geholt. Auch wenn es manchmal so aussieht - kein Mensch bleibt gerne in seiner Schuld. Je mehr er um sie weiß, desto heftiger werden entweder die Versuche, die Schuld zu leugnen, oder desto niedergeschlagener tritt ein Mensch auf, wenn er überhaupt noch am Leben teilnimmt. Wer um Schuld weiß, will Vergebung.
 
Petrus lebt nun wieder, nachdem er sich vor einigen Augenblicken noch ins Wasser stürzen wollte aus Scham vor Jesus. Wie hätte er auch annehmen können, dass der von ihm Verleugnete jemals wieder unter seine Augen tritt. Schon der Blick von Angesicht zu Angesicht nach seiner Verleugnung geht ihm heute noch durch Mark und Bein.  Ohne ihn hätte Petrus ja vielleicht ins Leben zurückgefunden, aber mit Jesus nie. Jetzt wird ihm diese große Scham genommen.
Jesus sieht ihn an, fragt ihn direkt, nimmt dreimal die Schuld und das Versagen und gibt Petrus so den unendlichen Wert zurück, geliebt zu sein und lieben zu dürfen. Und dann bittet Jesus ihn noch: Weide meine Lämmer. Gib auf sie acht, kümmere dich. Sieh bitte immer genau hin und achte sehr darauf, dass nie jemand verloren geht, auf welche Weise auch immer.
Nichts, nichts wird er jetzt lieber tun, der Simon Petrus, als nur darauf zu achten, dass ja niemand verloren geht oder verleugnet wird - wie er ja auch selbst nichts mehr fürchtete, als verleugnet zu werden oder verloren zu gehen.
 
So schön ist Auferstehung; und so leise kann sie sein. Wir sind angesehen von Gott und bei Gott, heute und immer. Wir sind getauft, beim Namen genannt, gerufen – in unserem alltäglichen und oft unscheinbaren Leben wirklich gemeint und gewollt. Uns ist vergeben worden, Gott allein weiß wie oft. Unzählige Male, glaube ich, sind wir in Liebe auferweckt worden aus dunklen Stunden, ist uns Freude geschenkt worden.  Auch wenn wir das manchmal gar nicht mehr sehen oder spüren können!
Und mehr wird auch von uns gar nicht erwartet, mehr sollen wir auch gar nicht tun in dieser manchmal schweren und manchmal dunklen Welt, in der Gott über uns wacht, mehr sollen wir auch nicht tun als acht zu geben, dass ja niemand verloren geht.
 
Sie verlangen doch gar nicht so viel von uns, die anderen, die auch leben wollen, und es oft so schwer haben mit dem Leben; so schwer, dass sie sich am liebsten verkriechen würden oder weglaufen würden aus Scham - Wenn sie nur wüssten wohin. Sie wollen gar nicht viel, glaube ich. Sie möchten nur, dass wir ein wenig acht geben auf sie und sie nicht verleugnen oder verloren geben, sondern sie immer wieder sehen und immer wieder finden; wie wir doch auch immer wieder gefunden werden in Liebe und Fürsorge.
 
Unser auferstandener Jesus wünscht sich:

  • Dass wir uns nicht nur um uns selbst drehen, sondern auch den Schmerz der anderen wahrnehmen - weil ja ihnen wie uns manchmal das Leben aus den Fugen gerät aus Schuld oder Angst oder aus Traurigkeit.
  • Dass wir aber auch unseren Schmerz darüber wahrnehmen, dass es manchmal nicht mehr möglich ist, einem Menschen zu helfen, obwohl wir ihn lieben, oder gerade weil wir ihn lieben, ihn verlassen müssen. Dass das aber nichts mit Schuld zu tun hat.
  • Dass wir gut acht geben auf die, die - auf den ersten Blick - kaum etwas zu bieten haben an Geld oder Aussehen oder Leistung.
  • Dass wir acht geben auf die Kinder, damit die nicht verloren gehen oder vergessen werden in der Welt des oft knallharten Rechnens.
  • Dass wir aufpassen auf die vielen Älteren, die manche Geschwindigkeit einfach nicht mehr mitmachen können.
  • Und dass wir noch merken, noch spüren - nicht nur an uns selber - wie und wo gelitten wird, wo gestorben wird hinter den Mauern von Häusern. Dass wir das noch spüren und niemals verleugnen müssen,

Das alles wünscht sich unser auferstandener Jesus.
 
Das ist doch eigentlich keine so schwere Arbeit?
Vor allem brauchen wir die Liebe nicht neu zu erfinden, das hat Gott ja längst getan von Anbeginn der Welt und wieder am Ostermorgen. Wir brauchen die Liebe nicht einmal mehr aufzuerwecken, das tut Gott schon für uns. Wir müssen nur ein Gespür dafür entwickeln, dass sie da ist, diese Liebe.
Und wenn es uns zu düster wird, dann können wir lernen zu empfinden, zu horchen und zu fühlen, was in uns lebt und nicht stirbt: Ein offener Blick, ein paar Worte, eine Handreichung - vielleicht ein Lachen, oder ein Weinen, oder ein Gebet: Damit wir Menschen wiederfinden, die verloren gingen, weggelaufen sind oder verleugnet werden.
Damit ein Mensch, der unter uns ist, etwas von seiner Furcht verliert, vergessen oder verleugnet zu werden, dazu genügt es oft schon, nur leise ,Ja' zu sagen oder ,Ja' zu zeigen auf die doch in aller Furcht auch immer verborgene Frage und überaus menschliche Frage: Hast du mich lieb?
 
Das macht uns fähig, zu leben in der manchmal schweren, manchmal dunklen Welt: Dass wir leise „Ja“ sagen oder zeigen all denen, die uns so sehr suchen, mit ihrer kleinen Frage, die auch Jesus seinem Jünger Petrus gestellt hat:
Hast du mich lieb? 

Amen

Ihre Pfarrerin Ursula Heller
 

Liedvorschläge

  • EG 395, 1 – 3 „Vertraut den neuen Wegen“
  • EG 116, 1 + 4 + 5 „Er ist erstanden“
  • EG 655, 1 – 4 „Freunde, dass der Mandelzweig“

Wochenspruch

"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." (2. Kor 5,17)
 

Gottesdienst-Tipps


Gottesdienst mit Pfarrer Christoph Zügel aus Betzingen
Gottesdienst mit Pfarrer Bernd Rexer aus Wannweil
Live-Gottesdienst "Mühelos" der Kirchengemeinde Weil im Schönbuch (So 10 Uhr)