Suche Frieden und jage ihm nach!

Es war einmal, da lebte der Frieden. Allen ging es gut. Freundlich ging es zu. Liebe kam und ging, ohne Streit. Kinder wuchsen in Geborgenheit und Freiheit auf. Jeder hatte Platz zum Wohnen. Wer arbeiten konnte und wollte, durfte das tun. Wer nicht, der hatte trotzdem genug. Tiere lebten friedlich. Die Luft war sauber. Das Wasser klar. Wer Streit suchte, fand Frieden. Wer Konkurrenzkampf suchte, fand das Miteinander.

Wer schlagen wollte, dem wurde die Hand gereicht. Wer verletzen wollte, fand Heilung. Wer sein Recht suchte, fand den Ausgleich. Wer gewinnen wollte, fand das gemeinsame Spielen. Wer Krieg wollte, fand weder Soldaten noch Waffen. Es lebte der Frieden.

Eines Tages aber wurde er verjagt. Einer meinte, er müsse mehr haben als der andere. Das Wort „ungerecht“ wurde geboren. Einer meinte, er habe mehr Lohn verdient als andere. Einer meinte, er sei besser als andere. Einer meinte, er habe allein Recht. Einer meinte, mit Tieren lasse sich viel Geld verdienen. Einer meinte, Liebe lasse sich kaufen, denn Geld regiere die Welt. Einer meinte sogar, sein Glaube sei besser als der der anderen, einfach, weil er es glaube. Der Frieden floh.

Er wurde verjagt. Mit ihm lässt sich weder Geld verdienen noch ein Reich aufbauen. Mit ihm sind keine Grenzen zum Schutz des eigenen Wohlstandes möglich. Die Gerechten, die sich ungerecht behandelt fühlten, gewannen die Oberhand.

Der Frieden zog in ein unbekanntes Land. Der Unfrieden machte sich breit. Die Menschen träumten noch von Frieden, flogen ihm nach in ferne Gefilde mit Sonne und Strand. Aber sie fanden ihn nicht. Er zog sich zurück. Die Sehnsucht nach Frieden ist geblieben. Jedes neue Jahr wünschen sich Menschen gegenseitig Frieden.
Sogar die, die ihn vertrieben haben. Jedes Jahr blicken wir zurück und erkennen, es war kein Frieden auf der Erde. Ist der Frieden tot? Niemals. Die Sehnsucht nach Frieden lebt. Die Vorstellung vom Frieden ist lebendig. Sie wohnt in uns.

Nur, wir finden ihn oft nicht. Sollen wir ihn vergessen? „Niemals“, sagt die Bibel. „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Du kannst Frieden finden. Du kannst ihn wieder verlieren, aber behalte ihn im Auge wie eine Taube, die fliegt, sich niederlässt und weiterfliegt. Der Friede Gottes ist größer als der, den wir unter uns finden. Mache dich auf.

Suche den Frieden. Du wirst ihn spüren.

Pfarrer Bernd Küster