Viva la Revolutión

Predigt zum 21. Februar 2021 von Pfarrer Patrick Mauser

Liebe Leserin, lieber Leser
schön, dass Sie dabei sind und heute das Kapitel 3 auf sich wirken lassen. Wie immer ist Markus sehr konzentriert in seinem Evangelium. Alles sehr knapp und dicht. Daher ist es auch nicht viel Text. Lesen Sie doch am besten das Markus-Kapitel 3, bevor sie weiterlesen.

Willkommen zu „Unterwegs mit Markus“!

Liebe Gemeinde,

wie viele Steine müssen ins Rollen kommen für eine Revolution? Was denken Sie?

Manchmal in der Geschichte kam das spontan. Es schaukelte sich hoch. Irgendwann hatten so viele Menschen gleichzeitig die Nase voll, dass Sie auch auf die Straße gingen, als sie durchs Fenster beobachten konnten, dass sich da auf der Straße was tut.

Manche Revolutionen und manche Umbrüche aber, lassen sich tatsächlich auf einzelne Menschen und Menschengruppen zurückverfolgen. Irgendwo fängt etwas an zu wachsen, ein kleines Pflänzchen geht auf und sprengt dann sogar den Beton, aus dessen Spalt er zu wachsen beginnt.

Die Revolution, wegen der ich das hier schreibe, sie begann bei Markus mit einem Mann, der in einer Schlange stand um sich taufen zu lassen. In einem anderen Evangelium, bei Lukas, da beginnt es natürlich mit der Geburt eines Kindes in einem Stall, aber das nur nebenbei.

Von dieser Revolution will uns Markus erzählen. So direkt und so direkt, wie möglich. Wir sollen das entscheidende hören. Zumal er es geschrieben hat, damit es vorgelesen wird. Damals konnten ja einfach noch nicht alle lesen. Also: wie steht es um die Revolution?

Nach seiner Taufe geht Jesus los und sucht Menschen, die ihm folgen. Sofort als nächstes heilt er einen Menschen in der Synagoge. Also als nächstes an dem Ort, an dem Menschen Gott suchen, einem Haus Gottes. Weitere Heilungen und das Aufsuchen von Menschen, die ausgestoßen wurden von der Gesellschaft, ob aus nachvollziehbarem Grund oder auch nicht. Er ist mit den Zöllnern, er erklärt dem jüdischen Establishment, wozu Gottes Gebote da sind. Sie sollen den Menschen dienen und Gott die Ehre geben. Nun sind wir im Kapitel 3:

Wieder einmal beginnt es mit einer Heilung. Wahrscheinlich Sabbat – wieder wird dieser kleine Revolutionär, der aber doch schon so viele Anhänger hat und dem irgendwie eine Kraft innewohnt beobachtet. Von denen, die eigentlich, die sind, die den Menschen von Gott erzählen sollten. Aber sie hüten es wie eine Geheimwissenschaft. Jesus hatte sie schon vor den Kopf gestoßen, als er mit seinen Jüngern Ähren auflas, weil sie Hunger hatten – das ist Arbeit und somit am Sabbat verboten. Jetzt ist der Revolutionär unter scharfer Beobachtung. Und tatsächlich tut er es: er heilt am Sabbat – schon wieder Arbeit – die ist doch am Feiertag verboten! Sie sind entsetzt. Jesus ist sauer und traurig: Hallo! Hier hat doch Gott ein Wunder gewirkt. Eigentlich Zeit für Jubel über Gottes Liebe und Kraft. Nein, wie bei vielen Revolutionären unter Beobachtung kommt der Beschluss der Mächtigen: „Er muss sterben“.
Doch Jesus geht weiter. Er heilt viele Menschen. Er treibt böse Geister aus…sie fallen vor ihm nieder, wie in einer Anbetung: die Macht des Bösen ist gebrochen, wenn Jesus da ist.

Wenn die Pflanze aufkeimt, dann lassen sich Menschen anstecken: Jesus beruft seine Jünger, seine Apostel. Sie sollen Gottes gute Nachricht weitersagen. Sie bekommen Vollmacht, das weiter zu tun, sollte Jesus nicht mehr da sein – ihm ist klar, was passieren wird. Echte Revolutionäre sorgen vor. Jenen, denen es um eine Sache geht, nicht um eigenen Ruhm, die sorgen vor. Seine Zwölf engsten Freunde sind versammelt – sind überzeugt.

Dann kriegt Jesu Familie zu Hause zugetragen, was alles passiert um ihn herum. Wie die Familien der Aufrührer und Neuschaffer und Ankläger sind sie in Sorge, ob ihm was passieren könnte. Vielleicht haben sie es erfahren, dass die Pharisäer ihm etwas antun wollen. Sie wussten vielleicht nicht, was seine Mission ist. Oder nicht, auf was sie zu laufen wird. Vielleicht gibt es noch einen anderen Weg? Er ist doch von Sinnen, sagen Sie! Sie ziehen los und wollen ihn suchen und ihn vielleicht umstimmen – Jesu Mutter und seine Geschwister. Und sein Vater? Vielleicht kann er nicht weg oder er ist sogar schon gestorben.

Schriftgelehrte suchen derweil Jesus auf – konfrontieren ihn mit seiner eigenen Macht: es gibt nur einen Gott, der thront mit den himmlischen Heerschaaren in den Himmeln. Wenn also ein Mensch Dämonen austreibt, dann kann er das nur, weil er selber vom bösen besessen ist. Also Gleiches bekämpft gleiches: wie wenn man eingetrocknete, klebrige Ölreste mit frischem Öl lösen kann!?
Nein, in Jesus ist wirklich die Macht Gottes in einem Menschen vor Euch! Wie soll sich der Satan selbst bekämpfen? Wenn ich auf einer Mauer stehe und versuche mit selbst davon herunter zu werfen, dann falle ich alleine runter – welchen Sinn soll das machen? Man kann das Böse nur besiegen und hinauswerfen, wenn es besiegt wird von einer anderen Macht. Man stoppt Gewalt nicht mit Gewalt. Jesus macht die Reinheit seiner Mission klar. Er macht klar, welcher Geist ihn leitet, denn die Schriftgelehrten bezweifeln es:

„Amen, das sage ich euch: Alles kann den Menschen vergeben werden –jede Schuld und jede Gotteslästerung, wie viel auch immer sie lästern. Wenn aber jemand den Heiligen Geist lästert, dem kann in Ewigkeit nicht vergeben werden. Er ist für immer schuldig geworden.« Das sagte Jesus, weil sie behauptet hatten: »Er ist von einem bösen Geist besessen.«
Inzwischen wurde Jesus von seiner Familie gefunden. Seine Familie lässt ihn rufen. Seine Jünger sagen:
»Sieh doch, deine Mutter, deine Brüder und deine Schwestern stehen draußen. Sie suchen nach dir.« Aber Jesus antwortete: »Wer ist meine Mutter? Und wer sind meine Brüder?« Er blickte die Leute an, die rings um ihn saßen, und sagte: »Das sind meine Mutter und meine Brüder! Wer tut, was Gott will, der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter.«


Die Sache zählt, für die Überzeugung geben Sie alles – riskieren alles. Ihre Familien, ihre Freunde, die müssen damit leben – so ist bei vielen Revolutionären gewesen: Martin Luther, Mahatma Ghandi, Martin Luther King, Nelson Mandela….und bei dem Revolutionär Jesus, den wir vielleicht nicht in diese Kategorie stecken möchten oder müssen – doch er will etwas entscheidendes für alle Zeiten verändern. Als Mensch und Gott zugleich, darum kommt seine Familie hier vor und mischt sich mit der göttlichen Macht und Weisheit, die Jesus auch bestimmt. Jesus hat eine Mission und nichts anderes zählt:
„Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele Menschen.«

Das ist die Revolution: ein neues Verhältnis zu Gott. Du direkt zu Gott – du brauchst niemand, der dir den Weg zu Gott zeigt oder freiräumt, denn Jesus hat ihn freigemacht. Kein Schriftgelehrter, nichts, was du tun musst und nicht Tod noch Mächte, noch Engel noch Gewalten können dich trennen von der Liebe Gottes – das ist die Revolution, das ist das Ziel, dafür geht Jesus jede Meile – du sollst gestärkt und geliebt dein Leben leben!

Viva la Revolutión!

AMEN.

Pfarrer Patrick Mauser

 

Unterwegs mit Markus

In der Woche vom 22 bis 28. Februar lesen wir gemeinsam Kapitel 4 +5.
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