Warten & bereit sein

Predigt zum 8. November 2020 von Pfarrer Patrick Mauser

Liebe Gemeinde,

heute geht es um DAS WARTEN! Ja, WARTEN...Machen wir doch alle gerne, oder?

Nein, WARTEN ist doch wirklich furchtbar... 2014 gab es ein spannendes Experiment: Da sollten Freiwillige in einen Raum sitzen, einen VÖLLIG leeren Raum. Und sie durfen nichts mitnehmen um sich zu beschäftigen, kein Handy, kein buch...nix. Alles, was sie hatten, war ein Knopf, der ihnen beim Drücken einen sehr unangenehmen Stromschlag verpasst hat. Alle haben den Knopf zu beginn mal drücken müssen, alle fanden es furchtbar und wollten das nie wieder erleben.
Dann WARTETEN sie...5 Minuten....10 Minuten....15 Minuten...nach 15 Minuten haben ein Viertel aller weiblichen Teilnehmer und sogar zwei Drittel aller Männlichen Teilnehmer mindestens einmal DEN KNOPF GEDRÜCKT.... Einfach, weil sie das warten nicht ausgehalten haben. Wir haben das Warten wahrscheinlich auch ein bisschen verlernt heute. Kommt ja alles gleich auf Knopfdruck, und durch ganz Deutschland mit Prime Versand und Co. innerhalb von 24 Stunden.

Wir warten zur Zeit wahrscheinlich ungeduldig auf ein Testergebnis für einen Coronatest. Manche warten auf die große Liebe, auf das Ergebins der Klassenarbeit oder die Zusage für einen Bewerbung oder einen Studienplatz – Nein, es gibt nicht alles sofort und instant, auch heute nicht – WARTEN, gehört dazu.

Gehen wir dahin zurück, warum ich vom Warten heute rede – nämlich zu unserem Bibeltext:
"Zur Frage nach dem Zeitpunkt und den näheren Umständen dieser Ereignisse braucht man euch nichts zu schreiben, Geschwister. Ihr selbst wisst ganz genau, dass ´jener große Tag`, der Tag des Herrn, so ´unerwartet` kommen wird wie ein Dieb in der Nacht".

Wie und wann diese Welt endet, sie endet übrigens in einem "großen Tag", also keine Angst bitte. Wir wissen den Zeitpunkt nicht. Wir können nicht anders als WARTEN. Das ist unser Leben!
Wir warten hier auf dieser Erde vom Baby, bis zum hochbetagten Menschen. WAS? Ich will doch mein Leben nicht im Warten verbringen. Was für eine FINSTERE Idee!!!

Naja, Moment. es ist gar nicht finster: "Ihr aber, Geschwister, lebt nicht in der Finsternis, und deshalb wird euch jener Tag nicht wie ein Dieb überraschen. Ihr alle seid ja Menschen des Lichts, und euer Leben wird von jenem kommenden Tag bestimmt." Denn Gott hat uns dazu bestimmt, durch Jesus Christus, unseren Herrn, gerettet zu werden, und nicht dazu, im Gericht verurteilt zu werden.

Das – ich fasse mich kurz, denn es gäbe viel zu sagen über diese Bibelstelle – ist für mich die Aussage, die ich euch heute unterstreichen will. Sagen wir mal es gibt da rum herum viel leckere Suppe und viel gesunden Salat – aber das ist es, worauf man WARTET: Das Schnitzel mit POMMES!
Ihr aber, Geschwister, lebt nicht in der Finsternis, und deshalb wird euch jener Tag nicht wie ein Dieb überraschen. Ihr alle seid ja Menschen des Lichts, und euer Leben wird von jenem kommenden Tag bestimmt.

Denn Gott hat uns dazu bestimmt, durch Jesus Christus, unseren Herrn, gerettet zu werden, und nicht dazu, im Gericht verurteilt zu werden.

Unser Leben ist ein Warten. Wir wissen nämlich nicht, wann unser Leben endet. Wir wissen auch nicht, wann diese Welt endet. Wir wissen aber, dass sie für uns, die wir Kinder Gottes sind, gut enden wird:
Denn Gott hat uns dazu bestimmt, durch Jesus Christus, unseren Herrn, gerettet zu werden, und nicht dazu, im Gericht verurteilt zu werden.

Wir sind Wartende in dieser Welt. Auch, wenn wir doch leben, gestalten, aktiv an vielem feilen oder ruhig den Ruhestand genießen und uns freuen, dass wir nur das gestalten müssen, was man selber will. Wir sind aber WARTENDE, weil wir nicht alles kontrollieren und gestalten können! "WAS? Ich kann alles gestalten!". Dann sag ich mal welche Wartefrage bestimmt viele im Kopf haben: "Wann ist Corona endlich vorbei!?". Das beste Beispiel, wo wir alle WARTEN müssen, ob Bundeskanzlerin oder Grundschulkind.
Mir geht es nun um dieses: Wenn wir alle Wartende sind, ob aktiv oder passiv: die Frage ist: Wie Warte ich in dieser Welt? Mit welcher Einstellung und mit welcher Grundstimmung warte ich? Warten in Sorge, kann erlähmend sein. Ja, ich sage es jetzt: man kann auf alles mögliche warten, manche warten sogar ohne Hoffnung auf ihren Tod...das ist furchtbar...Doch unser Text nennt uns "Kinder des Lichts"...Kinder des Lichtes Gottes, dass über jedem von uns aufging, schon vor unserer Geburt, so dürfen wir alle glauben, diese Kinder warten IN HOFFNUNG! Diese Kinder des Lichts, die wissen, dass das was uns erwartet, wenn wir "zu Ende gewartet" haben, ein frohes Ereignis ist – ein Leben mit unserem Herrn, gerettet...am Ziel..in den Armen Gottes..."Seid nüchtern und wachet", schreibt Paulus...einige Jahrhunderte später schrieb man "Carpe Diem" – nutze den Tag! Verschlafe nicht, wie der, der schon aufgegeben hat und somit auch den Tag verschläft. Wecke stattdessen dei auf, die Verschalfen sind. Du bist ein Kind des Lichts! Lass dein Licht leuchten in dieser Welt! Und gestalte Dein WARTEN und das WARTEN anderer!

Wir aber gehören zum Tag und wollen daher nüchtern und zum Kampf bereit sein, gerüstet mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf Rettung!

Heia! Das klingt doch nicht nach nix tun! Wir dürfen in Hoffnung unser WARTEN, unser Leben gestalten. Alles, was wir nicht beeinflussen können – alles, worüber wir keine Macht haben, dem dürfen wir eine tiefgreifende Hoffnung entgegenschreien! Ich habe einen Panzer des Glaubens und er Liebe an! Wahnsinn! Und: das können wir brauchen in Zeiten, in denen einem so viel aus der Kontrolle gleitet. So vieles, was über uns alle hereinbricht. Und wir hier warten, bis wir diese zeit überstanden haben!
Jetzt will ich zum Schluss folgendes aber noch fragen:
ABER: Gibt es denn auch ein Beispiel, bei dem WARTEN etwas schönes sein kann? Fällt jemand etwas ein?

Mir fällt das Warten auf eine Geburt ein. Keiner weiß, wann es genau losgeht – aber es ist ein Warten an dessen Ende Hoffnung steht. Es ist ein produktives Warten, man baut sich ein Nest zu Hause, kauft Schnuller, Bodies und Möbel. Manche hören das Rauchen auf oder vertragen sich mit zwerstrittenen Familienteilen...

Ich empfand die Wartezeit auf eine Geburt als etwas Schönes...Da könnte jetzt meine Frau sagen: "Klar, du hast ja die Kugel nicht mit dir rumgetragen"...ich weiß...etwas Schönes, aber auch Spannendes...Aber wichtig war: BEREIT SEIN...Die Rüstung der Hoffnung tragen...und dann auch durch schweres durch...angsterfüllendes...ja, auch schmerzhaftes...weil Hoffnung die Perspektive ist. Weil wir dazu bestimmt sind, gerettet zu werden...aus allem, was uns trifft...Angst macht oder Sorgen macht. Und darauf lohnt sich: das WARTEN, das Leben aktiv in Hoffnung zu gestalten und zu leben. Produktives Warten...frohes Warten. Und es lohnt das Warten auf ein Ziel, das Hoffnung und Liebe heißt! "Wir warten dein, o Gottes Sohn"...."Durch das Dunkel hindurch".
Amen.

Pfarrer Patrick Mauser

 

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