Was kommt auf den Tisch?

Diese Frage bewegt viele, nicht nur die, die abnehmen möchten. Vegetarier, Veganer und Fleischesser. Kochshows boomen. Koch und Köchin der Familie beschäftigt die Frage jeden Tag. Bio oder nicht? Fair? Welchen Fisch darf ich essen, wenn ich ein guter Mensch sein will? Manchen scheint das schnuppe. Sie essen, was auf den Tisch kommt, Hauptsache satt.

Im Oktober feiern wir Erntedankfest. Was kommt da auf den Tisch des „Herrn“, den wir auch Altar nennen. Bestimmt kein Huhn oder anderes Fleisch. Früher war das ein Opferaltar. Tiere wurden geopfert. Heute stehen sonst im Jahr auch Brot und Rebensaft darauf, kein Fleisch und Blut. Gott sei Dank, keine Opfer mehr. Auf dem Tisch stehen die Bibel, Kerzen für das Licht der Welt und Blumen zur Ehre Gottes und Freude der Menschen. Und ein Mal im Jahr die Gaben der Schöpfung. Gaben, die uns an Gottes Schöpfung erinnern, daran wovon wir leben. Bunt und vielfältig, alles vegetarisch, was in und aus der Erde gewachsen ist.

Bis zur Sintflut scheint sich der Mensch vorwiegend vegetarisch ernährt zu haben. Erst danach erlaubt Gott ausdrücklich, Tiere zu verspeisen. Im Paradies lebten Adam und Eva von den Früchten. So steht es in der Bibel geschrieben. Manche sehnen sich nach diesen paradiesischen Zuständen.
Wir stehen weiter vor der Frage: Was kommt auf den Tisch? Gerade wir Fleischesser, zu denen ich gehöre, müssen uns mit dieser Frage auseinandersetzen. Welches Fleisch können wir essen? Auf den Tisch Gottes kommt kein Fleisch. Da liegen die Früchte des Feldes und der Gärten. In der Mitte steht das Brot, als Verkörperung aller Nahrung. In der Mitte steht die Bibel. Da gab es einen, der sprach: Ich bin das Brot. Er war das geborene Wort Gottes. Und er sagte diesen Satz: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das ist wohl wahr. Denn genau das enthebt uns nicht von der Frage: Was kommt auf den Tisch? Auf den Tisch kommen müssen die Fragen nach der gerechten und gesunden Nahrungsverteilung, denn in ihr kann die Liebe Gottes, von der wir leben, zum Brot für alle werden.

Ihr Pfarrer Bernd Küster