Reformiert aus dem Urlaub

500 Jahre Reformation wird in Tansania auch gefeiert. Im Dorf Lesoit wurde eine neue lutherische Kirche gebaut. Deutschland ist für sie das Land der Reformation.

Gerne wäre ich noch in dem Land geblieben, in dem es sprichwörtlich keine Uhren gibt, aber Menschen, die viel Zeit haben. Wie oft haben wir warten müssen, etwa auf den Beginn des Gottesdienstes.

In dieser Zeit konnten wir uns die Umgebung genauer betrachten, die Menschen, die Natur. Die Massais, ehemalige Nomaden, verstehen immer noch nicht, warum sie für Wasser, Strom oder Schule regelmäßig zahlen sollen. Unglaublich holprig sind die Straßen, aber an ihren Rändern rufen uns oft Kinder und Erwachsene freundlich lachend „Karibu – herzlich willkommen“ zu. Wir erleben, dass Christen und Muslime friedlich zusammenleben. Muslime halfen beim Kirchenbau und ersten Kindergarten.

Zurück aus einem Land, in dem selbst Tiere entspannt erscheinen. Mich berührte die Ruhe, die Esel, Kühe, Elefanten und freilebenden Hunde ausstrahlen. Wie anders bei uns, wo Tiere Beruhigungsspritzen brauchen.

Zurück aus einem Land, das viele Probleme hat, wirtschaftliche und klimatische. Wir erfahren von schrecklicher Not Einzelner. Wir begegneten einem neunjährigen Mädchen, das in die Hände eines älteren Mannes gegeben werden sollte. Gottseidank konnte sie von diesem Weg befreit werden. Durch den AK Tansania wird die Schule bezahlt. Wir hören vom Aberglauben, der neu aufflammt. Körperteile von Albinos sollen Reichtum bringen. Ich erschrecke. Werde mir aber bewusst, dass bei uns viele Kinder missbraucht werden und Menschenhandel nicht beseitigt ist. Mission, das Weitertragen der Botschaft Jesu von der Liebe Gottes und der Nächstenliebe darf nicht aufhören.

Zurückgekehrt öffne ich die Augen für alles Gute, das wir hier haben. Erntedank können wir trotz Missernten feiern und gut leben. Das ist dort ganz anders. Zurück in die alten Zeiten möchte ich nicht, aber ich wünsche mir mehr Rücksicht auf die Natur, Pflanzen und Tiere, und mehr Gelassenheit, Zeiten ohne Uhr. Zurückgekehrt wünsche ich mir, dass wir weiter die Früchte der Reformation genießen können und Reformation nach 500 Jahren nicht aufhört.

Pfarrer Bernd Küster