Wem gehört der Regen?

Haben Sie sich schon mal diese Frage gestellt? Oder ist das eine reine Kinderfrage von denen, die noch nicht die Welt verstehen?

Wenn ich im Regen stehe, gehört der Regen mir. Die Tropfen in den Haaren, das Wasser in den Schuhen. Ich fange Tropfen mit der Hand auf. Er gehört mir. Wenn ich im Regen stehe, dann ist das für einen Augenblick mein Regen. Mein Gehirn beginnt, sich zu regen. Was ist mit den Bäumen, die den Regen brauchen wie ich? Im Urlaub sah ich vertrocknete Bäume. Regen regt an. Ich könnte mich aufregen.

Eine aufregende brennende Frage dieses Sommers: Wem gehört der Regenwald? Eine Frage, die sich weiterspinnen lässt. Wem gehört der Boden, auf dem ich stehe? Wem gehört das Land, in dem ich wohne und in dem nun auch viele Fremde in Not wohnen möchten? Wem gehören Flüsse, Seen und Meere, Wiesen und Felder? Den Regenwald hat kein Lebender gepflanzt. Politiker meinen nun, er sei Gemeingut. Er gehört allen. Mit welchem Recht? lautet die Gegenfrage. Gehört dann auch der Neckar oder die Schwäbische Alb allen? Am Erntedankfest sprechen wir vom Schöpfer, der alles gemacht hat.

Gehört nicht dem Schöpfer das Geschaffene? Wer hat ihn enteignet? Treiben wir Missbrauch mit dem, was uns gar nicht gehört? Hat denn Gott uns die Erde geschenkt? Davon steht am Anfang der Bibel nichts. Er überlässt sie uns zum Bebauen und Bewahren. Dabei soll jeder genug zum Leben bekommen. Durch die Diskussion um den Regenwald wurde mir wieder bewusst, was die Bibel meint und wohin wir durch Gier und an sich Raffen gekommen sind.

Das Land, das Stück Erde, auf dem ich stehe, ist nicht meins. Ich kann mich auf ihm niederlassen und in Besitz nehmen, aber es ist nicht auf ewig mein. Die Erde ist Gottes Erde. Sie ist für alle da und zu bewahren für die, die nach uns kommen. Oder soll eines Tages tatsächlich der Regen, der auf mich fällt, mir nicht mal mehr für den Augenblick gehören?

Wem gehört der Regen? Wir brauchen ihn zum Leben. Gehört nicht letztlich alles allen? Es soll alles dem Wohl der Erde dienen. Wir müssen aufhören, so zu tun, als könnten wir mit unserem Eigentum machen, was wir wollen. Schade, dass das immer öfter nur über Gesetze und Verbote geht. Es reichte doch der eine Gedanke an Gott als Schöpfer. Lasst uns dankbar die Erde bewahren. Sie trägt uns, nicht wir sie.

Pfarrer Küster