Wie ein Kind...

Predigt zum 21. März 2021 von Pfarrer Patrick Mauser

Liebe Leserinnen und Leser,
 
heute geht es um die Kinder: Kind sein, da sind wir uns einig, ist hoffentlich eine schöne Erinnerung für uns alle. Aber wir benutzen Anspielungen auf das Kindsein ja auch in zwei weisen: Einmal so:
„Oh Mann, …Wie die Kinder!“ „Das ist doch Kinderkram!“ „Ach, du alter Kindskopf!“ Aber auch natürlich positiv: „Oh, mal wieder Kind sein.“ „Wir haben gelacht wie die Kinder.“ „Kindliche Freude“, „Neugierig wie die Kinder“.

Ach, mal wieder Kind sein. In diesen Zeiten sehe ich Kinder unter der Pandemie leiden, und wenn ich die Kinder in unserem Kindergarten sehe, sieht eigentlich nur dieses Bild, wie „normal“ aus – Die Kinder, die sich sehen dürfen, die spielen sich schallend lachend durch die Pandemie.

Wenn man älter wird, sagt man vielleicht den Satz: „Als wir noch Kinder waren sind wir immer auf die höchsten Bäume geklettert. Das kann ich schon lange nicht mehr. Ach, wäre ich doch nochmal Kind.“
Es soll heute darum gehen, dass wir alle Kinder Gottes sind. Gott zeigt sich uns als Mutter und Vater in der Geschichte. Und Jesus sieht die Kinder als wichtiges Beispiel für uns Erwachsene, wie wir in der Schriftlesung gehört haben. Ich möchte den Predigttext für heute lesen; einer der schönsten Texte für mich – ihr könnt ihn heute wunderbar von Angelika und Karin gestaltet sehen. Aus Markus 10:
 
Einige Leute brachten Kinder zu Jesus. Sie wollten, dass er ihnen die Hände auflegte. Aber die Jünger wiesen sie schroff zurück. Als Jesus das merkte, wurde er zornig und sagte zu ihnen: »Lasst doch die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! Denn für Menschen wie sie ist das Reich Gottes da. Amen, das sage ich euch: Wer sich das Reich Gottes nicht wie ein Kind schenken lässt, wird nie hineinkommen.« Dann nahm er die Kinder in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.
 
Ich finde es so toll, wie Jesus da richtig sauer wird, weil seine Jünger die Kinder von ihm weghalten wollen – super! Und ich finde es toll, wie er sie umarmt und segnet. Und dazwischen dieser Satz:
Amen, das sage ich euch: Wer sich das Reich Gottes nicht wie ein Kind schenken lässt, wird nie hineinkommen.«

Der Satz, der ist nicht für die Kinder gedacht, sondern natürlich für uns! Was bedeutet dieser Satz? Was haben Kinder an sich, dass Jesus sie als Idealbild nimmt, für das annehmen von Gottes Reich?

Ich habe 6 Dinge gefunden, zum Thema „Kind sein“:

1. Kinder entscheiden noch nicht alles selber, aber sie haben ein großes Grundvertrauen. In meinen wenigen 34 Jahren habe ich dennoch schon viel entscheiden müssen. Das gehört zum Menschsein dazu. Jetzt wäre es spannend jeden von Euch zu fragen: Wenn ihr euer Leben betrachtet: wie viel passierte auf Grund Entscheidungen aus Eurer Hand und wie viel hat sich irgendwie ergeben? Wie viel ist einfach in euer Leben getreten, ob ihr nun wolltet oder nicht – sicher auch zum Guten oder Schlechten?

Ich erlebe Kinder so, dass Ihnen das je älter sie werden auch immer wichtiger wird Entscheidungen zu treffen. Anfangs jedoch, nehmen Kinder aber an – in einer Phase in der sich das Vertrauen auf die Eltern richtet. Sie entscheiden sich im Rahmen, den die Eltern den Kindern stecken. „Willst du eine Banane oder lieber einen Apfel?“ „Willst du die Puppe mitnehmen?“. Kleinkinder haben das Misstrauen noch nicht gelernt. Vielleicht misstrauen wir als erwachsene Menschen durch unsere Lebenserfahrung auch erst mal dem, was uns von Gott vor die Füße gelegt wird. Selbst entscheiden…doch im Vertrauen, dass unser Leben nicht einfach vor sich hin plätschert, sondern dass wir jemandes Kinder sind.
 
2. Neugierig sein, wie ein Kind: Kinder krabbeln und laufen durch die ganze Gegend. Sie fassen Gegenstände, Tiere und Menschen an, probieren, nehmen Sachen in die Hand, riechen daran…ja, und probieren auch mal mit dem Mund…da muss man aufpassen.

Aber es gibt fast nichts in der Welt, was nicht mal richtig interessant werden kann. Wir dürfen neugierig sein, darauf, was Gott so alles in der Welt bewegt. Auch, was er in unseren Herzen bewegt. Durch Neugier kann man Gott in der Bibel oder im Gespräch mit anderen in der Gemeinschaft, immer wieder neu erleben. Wenn wir neugierig bleiben dürfen, dann wagen wir auch Neue Dinge. Wir können Menschen fragen, wie es ihnen geht, neue Menschen aufnehmen und auch hören, was andere brauchen und wie wir ihnen beistehen können. Neugierig sein auf das Leben anderer und wie sich das vielleicht verändert, wenn andere Neugier auf Menschen erfahren.

3. Kinder können sich einfach beschenken lassen: Kinder denken bei einem Geschenk noch nicht gleich darüber nach, was man dann der Person, die geschenkt hat, schenken soll. „Ha, was hat des wohl g’koscht? Es sott ogfähr gleich viel koschta, aber was ganz anderes sei…!“

Kinder können einfach die Arme aufmachen, beschenkt werden und sich einfach freuen! Strahlen vor Freude: Ich bin durch Gott reich beschenkt worden, denn es gibt so vieles, dass man vielleicht nicht sofort aufzählen würde. Es gibt so vieles, dass man als selbstverständlich ansieht. Das letzte Jahr lehrte mich, dass überhaupt GAR NICHTS im Leben selbstverständlich ist – und dass meine ich wirklich so: die Luft in meinen Lungen ist es nicht, die Menschen in meinem Leben sind es nicht und auch alle Freiheiten, die wir in unserem Land genießen dürfen sind es nicht. Sie sind geschenkt! Und wer sich bewusst beschenken lässt, der wirft auch nichts in die Ecke und vergisst es, weil man es für zu klein und für zu unwichtig hält. Das will ich weiter lernen…

4. Kinder probieren, versuchen zu laufen, fallen hin, tun sich weh. Sie tun auch anderen weh…
Es läuft nicht alles nach Plan im Leben. Und im Paradies leben wir auch nicht. Neben Pandemien, Kriegen und Krisen, gibt es genug, was für mein eigenes, kleines Leben an Problemen übrig bleibt: scheitern, hinfallen, sich aufschürfen, sich schneiden – es ist Teil des Lernens. Wir müssen es als Kinder lernen, dass man sich als erstes aufrappeln muss, wenn was danebenging. Wenn wir andere verletzt haben, dann lernen wir, dass es wichtig ist, sich zu entschuldigen.

Und hier kommt der nächste wichtige Punkt:
5. Kinder brauchen Trost – Kinder brauchen essentiell die Vergebung oder den Zuspruch ihrer Bezugspersonen. Sie brauchen ein „Es ist alles gut – alles okay – nicht schlimm“. Kinder brauchen ein „Das tut bald nicht mehr weh!“. Sie brauchen Trost. Manches tut weh und das ist manchmal einfach so. Mit Schmerzen müssen wir im Leben immer wieder zurechtkommen. Aber ohne Trost und Vergebung können Kinder und ebenso wir, meiner Meinung nach, nicht gut leben.

Es kann gar nicht anders sein, als dass ich Dinge verbocke, Menschen enttäusche oder verärgere – es kann statistisch schon nicht anders sein. Wie gut tut es, wenn man dann hört: „Es ist alles gut – nicht so schlimm!“. Doch in vielen Fällen wird man das nie hören. Oft schon gar nicht Absolution bekommen von Menschen, von denen man sich eine Wünschen würde.

Doch ich habe für mich Trost gefunden, weil ich Gottes Versprechen im Ohr habe: „Es ist alles gut – es tut bald nicht mehr weh!“. Das kann einem wieder festen Boden unter den Füßen geben: Gottes Trostversprechen – Gottes Gegenwart – als Kind in den segnenden Armen Jeus, das tut gut, denn:

6. Kinder brauchen Sicherheit: Kinder brauchen eine Richtung und Begleitung. Kinder brauchen das Wissen, dass die Eltern für sie da sind. Dass auch später im Leben ein Ansprechpartner vielleicht nur einen Anruf, und im Idealfall ein paar Kilometer, entfernt ist. Kinder brauchen den Draht nach Hause, Kinder brauchen eine Heimat: gerade, wenn es in die Welt hinausgeht, die Sicherheit einer Heimat gibt einem auch im hintersten Winkel der Welt Sicherheit.

Aber wer kann jungen Menschen heute schon noch versprechen, dass Sie hier in der Nähe bleiben werden. Es wäre für mich eines unserer Ziele, wenn wir als Kirchengemeinde eine Heimat hier und im Herzen schaffen dürfen.

Nach diesen 6 Punkten, die für mich Kindsein beschreiben, möchte ich nochmal sagen: „Gott sagt uns in die Herzen: Ihr seid meine geliebten Kinder!“ Wir dürfen uns sicher sein, dass nichts und niemand uns von seinen offenen Armen abhalten kann. Wird dürfen das Geschenk annehmen, Kinder Gottes zu sein: klar, das heißt nicht, dass wir immer unbeschwert wie Kinder leben können, ich finde, es gibt manchmal Dinge, die lassen mich manchmal vergessen, dass ich ein Kind Gottes bin: Da muss ich nicht weit schauen: ob Krisen im Großen und Kleinen. Aber auch dass sich ganz bewusst so viele Menschen vom Glauben abwenden, weil sie sich dadurch erst richtig frei fühlen, das geht auch nicht spurlos an mir vorbei.

Es ist leider offensichtlich: in unserem Leben können Dinge passieren, die einen in Sekunden ganz weit von Gott entfernen können. Da wollen wir vielleicht selber gar nicht mehr sein Kind sein. Es kann sein, dass wir das Gefühl haben, dass er uns im Stich gelassen hat – oder das Leben einem übel mitspielt und wir uns fragen, wie Gott das zulassen kann!?

Ich sage euch: wir sind alle Kinder Gottes, Jesus zeigt uns einfach seine offenen Arme, es gibt keine Bedingungen, keine Schulzeugnisse, keine Gesundheitsabfrage, keine Auskunft, wie viel Du verdienst, ob du was „gscheites“ arbeitest oder was du vorzuweisen hast.

Es ist ganz egal: Die Arme sind Jesu sind für mich offen. Er will mich segnen und mir wie ein guter Vater und eine gute Mutter sein.

Und, wenn ich diese Vergebung spüre, mich wieder daran erinnern darf, dass ich Kind Gottes sein darf – das ist ein Grund zur Freude – das ist für mich Anlass froh durchs Leben zu gehen. „Da will ich hin, denn da ist Freiheit!“ haben wir 2017 gesungen. Und tatsächlich sorgt diese Beziehung zu Gott für mich für mehr Freiheit, als eine Denke, die davon ausgeht, wer sich an nichts und niemanden bindet, der ist frei – ich sage, der ist einsam und an seine Angst vor der Unfreiheit ist ein Dogma, das ebenso beschwert. Was uns doch in dieser Welt fehlt und verloren geht ist doch die Verbindlichkeit.

Und für mich gibt es nichts verbindlicheres als die Liebe von Eltern zu Kindern:
»Lasst doch die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! Denn für Menschen wie sie ist das Reich Gottes da.“

Amen.

Ihr Pfarrer Patrick Mauser


Unterwegs mit Markus

In der Woche vom 22. bis 28. März lesen wir gemeinsam Kapitel 11 + 12.
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Osterweg 2021

Ein Erlebnis mit allen Sinnen für Jung und Alt.
Der Weg führt von der Christuskirche über den Friedhof Unter den Linden, durch die Katharinenkirche bis zur Auferstehungskirche. Mithilfe der App „Actionbound“ können die Besucher des Osterwegs Lieder und Geschichten hören. Weitere Informationen
 

Abendgebet online

Pfarrerin Silke Bartel und Pfarrerin Beate Ellenberger laden herzlich ein am Do 25. März um 19 Uhr zum digitalen Abendgebet. Musik macht Pfarrer Patrick Mauser.
Wir treffen uns online, um biblische Worte zu hören und innezuhalten, Kraft zu sammeln und miteinander zu beten.Hierfür nutzen wir die Plattform Zoom. Einfach bis zum 25. März 18 Uhr eine E-Mail schicken mit dem Stichwort „Abendgebet“. Dann schicken wir kurz vorher den Zugangslink zu.
 

Wochenspruch

"Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele." | Mt 20,28
 

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Konfirmandenarbeit: Uns liegt daran, dass die Jugendlichen während des Konfirmandenjahres eigenständig Erfahrungen und Entdeckungen mit dem Glauben und mit Kirche und Gemeinde machen können. Eine abwechslungsreiche Konfirmandenarbeit trägt dazu bei. Jetzt spenden