Erntedank

Im Weinberg war ich. Nein, nicht im Weinberg des Herrn. Allerdings kam er mir fast himmlisch vor. Trauben reif und voll. Reben fett. Weinstöcke, die Frucht bringen.

Darüber blauer Himmel und wunderbare weiße Wolken. Dazwischen ein Feld mit strahlend stolzen Sonnenblumen. Daneben volle Apfelbäume, Birnen, Pflaumen und Mirabellen. Begeistert von Farben und der Fülle verließ ich den Weinberg. Erfüllt von dem reichen Segen. Was für eine Ernte wird das geben. Wein, Früchte und Säfte, die ich genießen kann. Nicht vergessen will ich die Menschen, die voller Hoffnung pflanzten, säten und pflegten. Bäuerliche Arbeit mit Erde und Pflanzen, angewiesen auf Regen und Sonnenschein und bangen, ob die Ernte gelingt, ist keine gewöhnliche Arbeit mehr. Unsere Arbeit: Im Büro sitzen, die Augen auf Pixel gerichtet. In der Firma an Maschinen stehen, die den Takt vorgeben. Mit und an Menschen arbeiten. Seinen Lohn einstreichen, gerecht oder ungerecht. Mit dem Geld einkaufen gehen. Gerne würde ich die Früchte des Weinbergs auf dem Markt wiedertreffen. Auch die mit kleinen Macken oder dem unvermeidlichen Wurm, der zum Verzehr geeignet ist. Womit ich mich noch ein wenig schwer tue. Bio muss sein. Auch für den Wurm und die, die ihn fangen. Fair für alle.

In Erinnerung an das letzte Jahr, in dem nicht ein reifer Apfel an unserem Baum hing, will ich Gott dafür danken, dass wir nicht hungern müssen, auch nicht in schlechten Erntejahren. Bitten will ich Gott, dass alle auf der Erde satt werden, auch durch uns. Danke allen, die dafür arbeiten. Gerne zahle ich für bio und fair etwas mehr. Durch die Bewahrung der Schöpfung bleibe auch ich bewahrt. Plastikverpackung zur Frischhaltung hilft uns da wenig.
Ich war im Weinberg. Wie steht es um den Weinberg Gottes, ging mir durch den Kopf? Welche Fülle sieht Gott? Gott freut sich über eine gute Ernte und viele, die daran mitarbeiten. Er freut sich über die bunten Früchte des Glaubens, dazu gehören Frieden und Gerechtigkeit. Er freut sich sicher über alle, die Erntedank nicht vergessen, trotz aller Probleme der Umweltvergiftung. Ich setze darauf, wer dankt, denkt auch darüber nach und handelt für die Bewahrung der Schöpfung und das Leben.
In Zukunft bio, logisch, was sonst.

Pfarrer Küster